Kultur trotz(t) Pandemie

Zur Situation der Kulturschaffenden in der Pandemie – ein Gastbeitrag von Kai Schuber-Seel

 

Hi liebe Menschen,

Uffbasse hat einen Aufruf gestartet, wie es uns Kulturmacher*innen in dieser schweren Zeit so geht und ich habe mir meine Gedanken gemacht.

Erst einmal zu mir: Ich heiße Kai Schuber-Seel. Ich mache beruflich seit 12 Jahren Kultur. Ich bin ein Theatermacher. Ich arbeite hauptsächlich für die Freie Szene Darmstadt e.V. als Theaterpädagoge (BuT) und freier Regisseur, aber auch als Moderator. Außerdem mag ich es sehr im öffentlichen Raum kulturelle Aktionen zu initiieren und Netzwerkarbeit zu betreiben.
Ich möchte mit meinen Kulturangeboten etwas bewegen. Themen ansprechen, die die Gesellschaft bewegt und das große Ganze mitgestalten und mitbestimmen.

Aktuell suchen wir Barrierechecker für „Alles inklusive?!“ Ein Darmstädter Festival vom 27. April bis 17. Mai 2021. Siehe Ausschreibung. Außerdem probe ich seit mehreren Monaten digital mit meinem Ensemble von Achterbahn, Theater trifft Borderline. Es ist der künstlerische Teil vom Trialog Darmstadt in Kooperation mit theatermacher e.V. Zweimal wurde bereits die Premiere verlegt. Ab Mitte Ma?rz wollen wir wieder live proben. Das mu?ssen wir auch. Die U?berga?nge, Abla?ufe ko?nnen nicht am Rechner gemacht und das Stück kann sonst nicht live aufgeführt werden.
Des Weiteren bin ich Workshopleiter beim internationalen Theaterfestival Starke Stücke zuhause, vom 4. bis zum 15. März 2021.
Was ich gerade auch noch akribisch vorbereite ist Darmstadt Speakers – Die Show. Die im Mai und Juni laufen soll. Dieses Mal nicht wie im letzten Sommer an öffentlichen Plätzen, sondern dezentral in vier verschieden Quartieren.

Kulturschaffende haben was zu sagen! Gerade in der aktuellen Situation!
Die Projekte hören sich alle toll an, wenn sie stattfinden können. Ich hatte theoretisch auch einige digitale Workshops, aber sie wurden leider nicht angenommen.
Wenn meine Theaterjobs nicht stattfinden, gibt es auch kein Geld. Und was für mich genauso schlimm ist: Das Ganze darf nicht umgesetzt werden. Das Ganze, was wir organisieren. Das Ganze, für das wir unsere Leidenschaft geben. Das Ganze für das wir diesen Job machen!

Komplett alles auf die Kunst zu setzen, das habe ich mir noch nie getraut.
Ich habe zwei kleine Kinder und dadurch viel Verantwortung. Seit dem 1.November 2019 habe ich eine halbe Stelle bei der Evangelischen Kirche Dekanat-Stadt als Jugendkulturarbeiter im Jugendhaus *huette.

https://evangelisches-darmstadt.de/darmstadt-stadt/arbeitsbereiche/kinder-und-jugendarbeit/offene-kinder-und-jugendarbeit/jugendkulturarbeit.html

Dieser Job macht mir sehr viel Spaß und außerdem gibt er mir die finanzielle Sicherheit, die wir als Familie brauchen.

Klar dachte ich auch schon mal: Komm riskiere es doch! Gut, dass ich es nicht gemacht habe. Ich dachte zwar nicht, dass eine Pandemie so bald kommen wird, aber mir war auch immer klar, dass externe Faktoren auftauchen können, die ich nicht beeinflussen kann und die dafür sorgen können, dass ich meine Freiberuflichkeit nur beschränkt nachgehen kann.

Und diese externen Faktoren sind da! Und andere Menschen entscheiden darüber, wie und wann es weitergeht. Und wir haben keine Planungssicherheit. Und wir haben keine Klarheit. Und es gibt so viel Willkür…

Corona ist heftig! Wir brauchen Unterstützung. Vor allem die Menschen, die die Pandemie komplett überrollt. Egal ob Kulturbranche oder andere Arbeitsschwerpunkte.

In der Pandemie niemals aufgeben!

Ich finde es toll, dass es für Leute für mich Unterstützung mit Hilfe von Stipendien gibt. Ich habe von der Initiative “Wir für Kultur” der HEAG Kulturfreunde ein kleines Stipendium bekommen und auch ein Arbeitsstipendien – „Übergang meistern“ der Hessischen Kulturstiftung vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst.

Hieraus entstand meine oben angesprochene performative Arbeit im öffentlichen Raum, Darmstadt Speakers: https://www.youtube.com/watch?v=aS5c-AFYmWo

Sie hatte eine starke Außenwirkung, hat die Menschen auf Abstand zusammengebracht und viele andere Künstler*innen mit ins Boot geholt.
Es war ein solidarischer Akt für die Kulturszene in Darmstadt. Und auch das muss jeden Tag sein! Es darf nicht nur um die eigenen Jobs, Aktionen und Projekte gehen. Ich werbe fast täglich auch für meine Kolleg*innen, unterstütze Ihre Arbeit und freue mich über Ihre Kreativität in dieser schweren Zeit.

Ich habe auch das Projektstipendium „Hessen innovativ neu eröffnen“ für Solokünstler*innen von der Hessischen Kulturstiftung vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst bekommen. Auch hier ist es mir wichtig, mit dem Projekt nicht nur etwas für mich zu machen, sondern auch für weitere Künstler*innen und die Gesellschaft.
Stadtteilübergreifend werde ich wie oben angerissen im Mai/Juni 2021 eine Darmstadt Speakers Show in unterschiedlichen Darmstädter Quartieren mit Kooperationspartner*innen und Künstler*innen umsetzen.
Mehr über mich, meine Kontaktdaten und meine Projekte unter: https://www.kaischuberseel.de/

Liebe Grüße

Kai

 

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