Kerstin Lau: Was wäre unser Leben ohne Freiheit und Sicherheit?

Ein persönliches Statement unserer Fraktionsvorsitzenden Kerstin Lau nach der jüngsten Sitzung des Darmstädter Stadparlaments und der Debatte um den verabschiedeten Dringlichkeitsantrag in Reaktion auf den Krieg in der Ukraine.
Als ausgebildete Mediatorin bin ich grundsätzlich von meiner Haltung her Pazifistin. Ich glaube daran, dass man durch Kommunikation miteinander und durch Verständnis füreinander Kompromisse und Lösungen in allen Lebenslagen findet.
In der letzten Stadtverordnetenversammlung am 10. März 2022 empfahl Helmut Klett von der Uwiga/WGD den Ukrainern, ehrenhaft die Waffen niederzulegen und der Regierung, ins Exil zu gehen, also vor dem Angriffskrieg Putins zu kapitulieren.
Diese Haltung hat mich zutiefst erschüttert, weil es trotz allem Pazifismus und dem Schutz allen Lebens eben auch Situationen gibt, in denen es keine Alternative zum Kampf beziehungsweise zur Selbstverteidigung gibt.
Es kann niemals eine Alternative sein, sich einem Diktator zu ergeben. Denn was wäre unser Leben ohne Freiheit und Sicherheit?
Die Basis all unserer Möglichkeiten sowohl individuell als auch kollektiv sind Freiheit, Sicherheit und Demokratie. Daran glaube ich und dafür würde ich auch kämpfen.
Ich finde dies auf ergreifende Art in dem für mich besten Anti Kriegsbuch beschrieben, dass ich kenne. Titel des Buches ist „Johnny zieht in den Krieg“ von dem Autor Dalton Trumbo, erschienen 1939. Hauptfigur des Buches ist der Soldat Johnny, der im Krieg nicht nur Arme und Beine, sondern auch sämtliche Sinnesorgane verlor. Der Roman beschreibt, wie er, bei klarem Verstand, nur äußerlich unvorstellbar entstellt, zu sich selbst findet und versucht, der Umwelt ein Mahnmal und Symbol für den Irrsinn von Kriegen zu werden.
„Denkt gut daran ihr Leute die ihr Krieg im Sine habt. Denkt daran ihr Patrioten ihr Grimmigen ihr Schürer des Hasses ihr Erfinder der Schlagworte. Denkt daran wie ihr noch nie in Eurem Leben an etwas gedacht habt.
Wir sind Menschen des Friedens und wir sind Menschen die arbeiten und wir wollen keinen Streit. Wenn ihr aber unseren Frieden stört wenn ihr uns unsere Arbeit nehmt und wenn ihr versucht uns gegeneinander auszuspielen, dann werden wir wissen, was wir zu tun haben.

„Zwingt uns die Gewehre in die Hände und wir werden sie benutzen. Gebt uns die Schlagworte und wir werden sie Wirklichkeit werden lassen. Singt die Kampf- und Schlachtenlieder und wir werden sie weitersingen wo ihr aufhört. Nicht einer nicht zehn nicht zehntausend nicht eine Million nicht zehn Millionen nicht hundert Millionen sondern eine Milliarde zwei Milliarden alle Menschen der Welt wir werden die Schlagworte haben und wir werden die Lieder haben und wir werden die Gewehre haben und wir werden benutzen und wir werden leben.

Gebt Euch keinem Irrtum hin wir werden leben. Wir werden lebendig sein und wir werden gehen und sprechen und essen und singen und lachen und fühlen und lieben und unsere Kinder in Ruhe gebären in Sicherheit in Anstand in Frieden. Plant ihr die Kriege ihr Beherrscher der Menschen plant ihr die Kriege und weist den Weg und wir werden den Lauf des Gewehrs zu richten wissen.“
Zitat aus „Johnny zieht in den Krieg“, Seite 152/153 (der Text ist im Original ohne Satzzeichen, weil die einzige Verständigungsform, die Johnny geblieben sind, Morsezeichen sind)

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