Baustopp am Osthang – Kurskorrektur für das Infozentrum und Welterbe

Der Neubau eines Informationszentrums an der Mathildenhöhe wird vorerst gestoppt. So verkündete es der Oberbürgermeister Hanno Benz am Montag, 17. August. Mit dem Moratorium soll eine grundsätzliche Neubewertung ermöglicht werden. Zuletzt liefen die Kosten für den Neubau sowie weitere Baustellen an der Mathildenhöhe aus dem Ruder, gleichzeitig offenbarte sich, dass bisher gar kein tragfähiges „Vermittlungskonzept“ für das Welterbe entwickelt worden war. Uffbasse forderte diese Schritte bereits seit Jahren und äußert sich jetzt zu den neuesten Entwicklungen.

Wir begrüßen die Entscheidung der Stadt, die Planungen für das Informationszentrum auf der Mathildenhöhe zunächst zu stoppen und das Projekt grundlegend neu zu bewerten.

Für Uffbasse kommt dieser Schritt keineswegs überraschend. Wir fordern seit Jahren, die bisherigen Planungen kritisch zu überprüfen. Auch aus der Bevölkerung wurde uns immer wieder gespiegelt: Der Welterbetitel für die Mathildenhöhe wird ausdrücklich begrüßt. Mit dem geplanten Informationszentrum und insbesondere mit dessen Dimension, Kosten und Standort haben jedoch viele Menschen von Anfang an gehadert.

Ein wesentliches Problem liegt aus unserer Sicht bereits am Beginn des Projekts. Über Jahre wurde von der damaligen Stadtregierung unter Oberbürgermeister Jochen Partsch der Eindruck vermittelt, die UNESCO verlange den Bau eines Besucherzentrums und ein solches Gebäude gehöre praktisch zwingend zum Welterbetitel. Diese Darstellung war falsch. Die UNESCO verlangt eine qualifizierte Vermittlung des Welterbes, keinen bestimmten Neubau.

Spätestens 2021 hätte deshalb eine grundlegende Neubewertung stattfinden müssen. Die UNESCO beanstandete damals den ursprünglich vorgesehenen Standort und verlangte eine Verlagerung des geplanten Gebäudes aus der Kernzone. Das wäre der richtige Zeitpunkt gewesen, die Grundsatzfrage zu stellen: Brauchen wir diesen Neubau überhaupt?

Diese Frage wurde nicht gestellt. Stattdessen wurde das Projekt weiterverfolgt und nahezu vollständig neu geplant. Dabei entstanden erhebliche zusätzliche Planungskosten. Gleichzeitig wurden Alternativen der Welterbevermittlung trotz mehrfacher politischer Anträge, auch von Uffbasse, nicht ernsthaft geprüft.

Umso mehr begrüßen wir, dass die jetzige Stadtregierung nicht aus falsch verstandener Kontinuität an einer einmal eingeschlagenen Richtung festhält. Es gehört politischer Mut dazu, ein weit fortgeschrittenes Projekt kritisch zu hinterfragen und Fehler nicht allein deshalb fortzuschreiben, weil bereits viel Zeit und Geld investiert wurde. Diese Bereitschaft zur Kurskorrektur halten wir für richtig.

Dabei geht es uns ausdrücklich nicht darum, die Welterbevermittlung infrage zu stellen. Im Gegenteil: Die Mathildenhöhe braucht eine moderne, hochwertige und für unterschiedliche Zielgruppen zugängliche Vermittlung ihres besonderen kulturellen Wertes.

Aber wir dürfen und müssen neu denken:

Wie viele Besucherinnen und Besucher kommen tatsächlich auf die Mathildenhöhe? Welche Zielgruppen wollen wir erreichen? Welche Angebote müssen unmittelbar vor Ort vorhanden sein? Welche Aufgaben können bestehende Kultur- und Bildungseinrichtungen übernehmen? Welche Möglichkeiten bieten digitale und dezentrale Vermittlungsformen? Welche personellen und betrieblichen Strukturen werden benötigt? Und welche dauerhaften Kosten entstehen daraus?

Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, kann ergebnisoffen entschieden werden, welche Lösung für die Mathildenhöhe und für die Stadtgesellschaft fachlich sinnvoll, wirtschaftlich vertretbar und langfristig tragfähig ist.

Dabei kann am Ende durchaus auch eine bauliche Lösung stehen. Aber das Gebäude muss sich aus dem Vermittlungskonzept ergeben und nicht das Vermittlungskonzept aus einem bereits geplanten Gebäude.

Genau für diese Neubewertung ist jetzt endlich der Weg frei. Das haben wir seit Langem gefordert.

 

Foto: Linda Engel

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