Kerstins Rede zur Resolution gegen Rassismus

Kerstins tolle Rede zur Resolution gegen Rassismus

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Ein altes chinesisches Sprichwort sagt:

Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden zu Worten. Achte auf Deine Worte, denn sie werden zu Handlungen. Achte auf Deine Handlungen, denn sie werden zu Gewohnheiten. Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter. Achte auf Deinen Charakter, denn er wird Dein Schicksal. 

 

Wir freuen uns, dass sich die Darmstädter Stadtverordnetenversammlung erneut gemeinsam gegen Rassismus ausspricht. 

Auch in Deutschland gibt es einen wiedererstarkten Rassismus und Faschismus. Der Rassismus in Deutschland ist nicht so strukturell verankert wie in den USA und die damit einhergehende soziale Ausgrenzung wird durch Sozialleistungen etwas abgefedert, aber auch hier sind Menschen mit oder ohne Migrationshintergrund aufgrund ihrer Hautfarbe häufig Benachteiligungen, Verachtung, Ablehnung, Beschimpfung und Gewalt ausgesetzt. 

Wir haben in den letzten Jahren erlebt, dass durch den Einzug der AfD in die Parlamente viele Gedanken und Ideen salonfähig geworden sind, die sich vor der Gründung der AfD im Jahr 2013 und dem ersten Einzug in das sächsische Parlament 2014 niemand getraut hätte öffentlich zu äußern. 

Die Ablehnung vermeintlicher Minderheiten ist nur die Spitze des Eisbergs einer Gesellschaft, die Gewalt und Ausgrenzung, sowohl verbal als auch sozial, als auch physisch, zunehmend wieder als Mittel der Wahl akzeptabel findet. Das hat etwas damit zu tun, dass die AfD die Verrohung der Gesellschaft kräftig vorantreibt. Eigenverantwortung wird zu einem Fremdwort, die Schuld am eigenen persönlichen Scheitern haben wieder irgendwelche Sündenböcke. Der Anschlag in Hanau, der Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke, das Attentat auf die Synagoge in Halle sind zwar von Einzeltätern begangen worden – vorbereitet wurden sie in den Parlamenten und zwar von der AfD. Der Hass, den sie säen, fällt auf fruchtbaren Boden. Ihr seid die Spalter, die unser Land durch Hass, Neid, Angst und Missgunst versuchen zu zerstören. 

Aber auch wir anderen bekleckern uns nicht gerade mit Ruhm, wenn es darum geht, rassistische Strukturen an der Wurzel auszureißen. Ein Blick hier in die Runde zeigt, dass Schwarze Menschen wohl nicht so leicht einen Zugang zu unserem hegemonialen politischen System finden. Auch müssen wir uns fragen, ob wir wirklich entschieden genug gegen z.B. Racial Profiling vorgehen und vor allem, ob wir wirklich ganz klar für Chancengleichheit einstehen und wenn das so ist, warum jedwede Abweichung von der „Norm“, sei es eine andere Hautfarbe, eine Behinderung, eine migrantische Herkunft immer noch verminderte Karrierechancen, schlechtere Bildungsabschlüsse, schlechtere Chancen auf dem Wohnungsmarkt und andere lebenslange Benachteiligungen mit sich bringt. Wir haben uns heute für die Sanierung der Wilhelm Hauff Schule entschieden, obwohl alle soziologischen Studien deutlich zeigen, dass wir mehr für diese Kinder tun würden, wenn wir die Schüler*innen auf andere Schulen aufteilen und ihnen so einen anderen Zugang zur Gesellschaft ermöglichen. Und wie kann es in einem Land wie Deutschland dazu kommen, dass Kinder mit schlechter technischer Ausstattung aus sozial schwachen Familien monatelang nicht am Unterricht teilnehmen können, obwohl wir sowohl eine Schulpflicht als auch ein Recht auf Bildung haben? 

Resolutionen sind nett und gut gemeint, aber letztendlich helfen nur Taten und die richtigen Entscheidungen. Wir sitzen ja hier, wenigstens für unsere Stadt, an der Quelle und geben das Setting vor. Und aus meiner Sicht funktioniert das noch gut und ich bin stolz darauf, immer noch in einer Stadt zu wohnen, die so antirassistisch und antifaschistisch ist wie Darmstadt. Lassen Sie uns also weiterhin die richtigen Entscheidungen treffen und mutig vorangehen, wenn es darum geht, wirkliche Veränderungen herbei zu führen. 

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