Fehlentwicklungen von Nachverdichtungen

Uffbasse moniert aktuelle Fehlentwicklungen von Nachverdichtungen im städtischen Raum

Wie schon im Komponistenviertel formiert sich auch in Bessungen Widerstand gegen geplante Nachverdichtungen. In den historischen Quartieren verstärkt sich die Versiegelung von Grünflächen stetig. Mit einem Protestbrief formulierten Anwohner*innen jetzt ihren Unmut. Kritik richtet sich dabei nicht nur an Bauvorhaben, die kostbare Freiluftschneisen und grün bewachsene Innenhöfe immer weiter zu vernichten drohen. Auch grundsätzliche Konzepte der Stadtentwicklung und die Bewertungspraxis des örtlichen Bauamtes stehen im Fokus.

Stein des aktuellen Anstoßes: der beabsichtigte Neubau im Inneren des Geviertes Moosbergstraße / Ludwigshöhstraße/ Herrngartenstraße / Herderstraße. Geprägt ist der Innenhof derzeit von alten Bäumen, Sträuchern, Rasen – eine der wenigen grünen Restflächen in einem der am höchsten verdichteten Wohnquartiere Darmstadts. In der angrenzenden und umliegenden Bebauung zeigen sich vor allem eingeschossige Flachbauten als Anbauten.

Hier will ein Darmstädter Bauunternehmer ein Wohnhaus mit drei Stockwerken errichten. Das letzte Grün im Wohnblock verschwindet, die Fläche wird für Bebauung maximal ausgereizt. Der Durchlüftung und Abkühlung – elementar angesichts immer heißer werdender Sommer – die derzeit angesichts der umliegenden, älteren Flachbauten noch möglich ist, wird so ein massiver Riegel vorgeschoben.

Für die Genehmigung berufe man sich auf den Paragraf 34 des Baugesetzbuchs, so die protestierenden Anwohner*innen, die beim zuständigen Bauamt die entsprechenden Pläne einsehen konnten. Dieser prüft die Zulässigkeit von Vorhaben im „Zusammenhang bebauter Ortsteile“ und soll unter anderem sicherstellen, dass sich Bauvorhaben in den Bestand einfügen. In diesem Fall prägend: knapp 30 eingeschossige Flachbauten. Weil der Neubau jedoch als Anbau an ein solitäres zweistöckiges Wohnhaus (wahrscheinlich ein architektonischer Ausreißer) aus der Vorkriegszeit skizziert wurde, gab das Bauamt grünes Licht für das mit drei Geschossen über die Nachbarschaft ragende Projekt.

Paradox: Mit Bezug auf diesen Neubau könnten künftig weitere voluminöse Bauprojekte in Innenhöfen und Quartiersblöcken genehmigt werden.

Denn anders als im Martinsviertel, wo dank einer umfassenden Sanierungsstrategie Grünflächen in Innenhöfen und zwischen Wohnblöcken erhalten und sogar neu geschaffen wurden, ist für Bessungen kein Bebauungsplan entwickelt worden. Dieser würde den Gebietscharakter (historische Gebilde, grüne Innenhöfe, Freiflächen) sowie das Mikroklima (Baumbestand, Grünflächen, Freiluftschneisen, Raum für Artenvielfalt) des langfristig Viertels sichern.

Ein Fall, der beispielhaft nicht gelungene Nachverdichtung aufzeigt und sich gleichzeitig in eine Systematik einreiht, die sich mehrfach in Bessungen und anderen Vierteln beobachten lässt. Mit Rückgriff auf den Paragrafen 34 des Baugesetzbuchs scheint das zuständige Bauamt bei Freigaben die Verhältnismäßigkeit aus dem Blick zu verlieren. Für künftige Wohn- und Lebensqualität unverzichtbare Grün- und Freiflächen werden ohne Rücksicht dem Bau- und Immobiliengewerbe geopfert.

Uffbasse ist nicht gegen Nachverdichtungen, aber die immense Bedeutung von Frischluftschneisen im Bestand und Bau darf nicht ignoriert werden! Den Protest der Bürgergruppe Grünes Bessungen unterstützen wir und werden auch darauf drängen, dass konsequente politische Lösungen erarbeitet werden.

 

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