Ausschreibung Schuldezernat: Silicon-Valley-Spirit statt bildungspolitischer Expertise

Grüne, CDU und Volt wollen das Schuldezernat neu besetzten. In der Ausschreibung ist bildungspolitische Expertise dabei nicht in einer Silbe erwähnt.

Stattdessen wird nach Silicon-Valley-Spirit gesucht: Hochschulabschluss der Wirtschaftsinformatik, Kenntnisse im Projektmanagement sowie Erfahrungen in der Start-Up-Szene sind die zentralen Anforderungen. Unglaublich, aber wahr!

Die Leitung über das gesamte Darmstädter Schulwesen soll ohne jegliches Fachwissen zu Bildung und Pädagogik oder Erfahrungen in der Politik und Verwaltung auskommen.

Die Formulierungen der Ausschreibung, die sich auf der Startseite der Stadt Darmstadt findet, sind hierzu präzise und konkret. Auch die Besoldung für die auf sechs Jahre geplante Stelle wird genannt: 9.128,06 Euro brutto im Monat.

So zeigt sich, welchen Stellenwert die Regierenden den Schulen aktuell beimessen … in einer der schärfsten Krisen des Bildungswesens (Pandemie, Digitalisierung, Aufrechterhaltung von Präsenzunterricht, Lernrückstand, soziale Ungerechtigkeit …).

Dass die Ausschreibungen für führende Positionen meist ohnehin eine Posse sind, ist kein Geheimnis. Nicht selten werden diese entsprechend der Vita und „Qualifikation“ bereits auserkorener Kandidat *innen maßgeschneidert. Hier offenbart sich das Postengeschacher jedoch maximal unverblümt. Wir sind entsetzt.

„Ausschreibung eine reine Farce?“ fragte am Wochenende auch das Darmstädter Echo und zitiert Unmut aus großen Teilen der Opposition über die Ausschreibung sowie die Vermutung, dass es bereits ausgemachte Sache sei, dass die Leitung des Schuldezernates der Koalitions-Partei Volt zugeschoben werden soll.

 

Foto: Alex E. Proimos, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

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