konzept schlossmuseeum

guude zamme,

im anschluss ne kritik am neuen konzept des schlossmuseums vom

„AK schlossmuseum – uffbasse/alternative darmstadt und freunde“.

Wir danken vor allem schorsch highnä für die fachmännische beratung

Andere Basis bitte!
 
Grundsätzlich gibt es zwei Wege zur Neukonzeption eines Museums: Eine Ansammlung von Objekten ist bereits da und man konstruiert eine Konzeption, welches das Vorhandene unter-bringt und ordnet. Oder aber man beginnt mit einer Konzeption und wählt danach erst die Exponate aus. Der erste Weg ist der billigere, nimmt von vornherein Schwächen im Ergebnis in Kauf, löst dafür aber wahrscheinlich ein Unterbringungsproblem. Der zweite Weg ist aufwendig, verspricht aber einen Ansatz auf der Höhe der Zeit und ein besseres Ergebnis. Der erste Weg bietet dem Besucher, was da ist, der zweite Weg nimmt den Besucher ernst. Der erste Weg ist der provinzielle, der zweite professionell.
Das Schlossmuseum Darmstadt war bis dato ein Sammelsurium. Niemand in der Stadt – und erst recht überregional – bezweifelt, dass eine Neukonzeption notwendig ist. Die peinlichen Besucherzahlen dokumentieren die Peinlichkeit der kommentarlos gezeigten Bruchstücke fürstlichen Interieurs. Die Alternative zur Erneuerung ist Schließung.
Inzwischen liegt ein so genanntes „Basiskonzept Schlossmuseum“ den politischen Gremien der Stadt Darmstadt vor. Beschlussfassung steht an. Was erwartet künftige Besucher, was können die Bürger vom Schlossmuseum erwarten? Nicht viel. Denn das Konzept hat nicht den zweiten, sondern den ersten Weg gewählt. Es setzt weitgehend die bisherigen Nachteile eines musealen Raumes ohne zündende Leitidee fort.
Das Konzept, erarbeitet Ende 2009 von einer aus innerstädtischen Experten zusammenge-setzten „Arbeitsgruppe Schlossmuseum“, will eine „Basis“ für eine Neubegründung es Museums bieten. Grundlegende Alternativen werden nicht geprüft. Und ein konzeptioneller „roter Faden“ fehlt leider vollständig.
Stattdessen wird eine Quadratur des Kreises versucht: Aus Vorhandenem Neues. Man begründet das Konzept auf den bisherigen Konzeptionen: „landesgeschichtlicher Ansatz“ des ersten Museumskonzeptes von 1919 von Großherzog Ernst Ludwig von Hessen, ein „Konzeptvorschlag“ einer Gräfin von Plessen aus dem Jahre 2007 sowie eines Konzeptes von Karl Weber aus dem Jahre 2008. Dazu sollen „stadthistorische Aspekte“ berücksichtigt werden. Das Ergebnis soll „Identitätsstiftend” für die Einheimischen und informativ für externe Besucher“ sein. Vorwiegend soll es um Themen gehen, wozu “Objekte” verfügbar sind. Alles andre soll „nur medial berührt“ oder „nicht berücksichtigt“ werden. Bloß keine Texte also – oder andere, nicht objekt-gebundene Themen, für die man etwa Karten, Töne, Installationen benötigen würde. In der Hoffnung, dass sich die Einheimischen um Identitätsstiftung bemühen und zu diesem Zweck in höfischen Requisiten wieder finden will man einerseits die Zusammenstellung von Kutschen, Pokalen und Adelsportraits der jetzigen Sammlung weiterhin präsentieren, andererseits „ein attraktives und spannendes Museum“ gestalten, das „wesentliche Aspekte der Geschichte, Kultur und Bedeutung des einstigen Flächenstaates Hessen-Darmstadt und seiner Residenz“ erfahrbar macht.
Vergessen wir die Alternativen, an die man auch hätte denken können – etwa ein Museum zur wechselvollen Baugeschichte des Schlosses, ein Museum zur nicht minder interessanten Stadtplanungsgeschichte der Innenstadt, ein Museum zur Sozialgeschichte der Darmstädter Bevölkerung, ein Museum zur bürgerlich-politischen Geschichte der Stadt. Fragen wir einfach nur, was im vorliegenden “Basiskonzept” fehlt.
Von den 15 vorgeschlagenen „Themenräumen“ beschäftigen sich rund 10 mehr oder weniger eng mit der „Herrschaftsgeschichte“ des Schlosses – also mit den im engen Sinne höfischen und personalisierten Aspekten des Schlosslebens wie „Musik in der Residenz“, „Militärwesen“, die „große Landgräfin“. Ein klassenübergreifender, sozialgeschichtlicher Gedanke ist im Konzept nicht zu erkennen. Der „bürgerlichen Emanzipation“ bleibt konsequenterweise ein einziger Themenraum vorbehalten. Auch dieser soll zum Teil noch Adelsportraits enthalten. Der “landesgeschichtliche Ansatz” berücksichtig weder den „Hessischen Landboten“ und seine in Darmstadt aktiven und verfolgten Verfasser, unter anderen Georg Büchner, noch “1848”. Ein Heinrich von Gagern, ein Georg Gottfried Gervinus werden nicht erwähnt.
Drei „übergreifende“ Themenräume hätten vielleicht die Inszenierung von Epochenschwellen wie die Auswirkungen der französischen Revolution auf Darmstadt oder des Nationalsozialismus auf die Residenz erwarten lassen. Sie sind aber den Themen „Das Schloss“, „Hofmaler“ und schließlich der vorhandenen Kutschensammlung gewidmet. Den Kutschen will man einen Opel-Oldtimer hinzufügen. Das ergibt dann die vorgesehene Überschrift: „Mobilität vom 18. bis zum 20. Jahrhundert“.
Bleiben wir beim hinreichend abstrusen Beispiel „Mobilität“. Warum das Thema? Warum auf den vorgeschlagenen Zeitraum verengt? Warum nicht auch Römerstraßen und Elektrofahrrad? Das trübselige Konzept ist lediglich mit der Fixierung auf die vorhandenen Objekte zu erklären. Diese wiederum sind im Besitz des Hauses Hessen, eine Leihgabe und benötigen augenscheinlich eine Unterkunft. Der Besucher hat das Nachsehen. Er erhält einen willkürlichen Schnipsel “Mobilität”.
Das Basiskonzept trägt nicht. Ein Anfang könnte sein, die Kutschen aus dem Schloss zu verbannen und etwa in Kranichstein oder Erbach unterzubringen. Dann muss ein „roter Faden“ her, ein Museumskonzept, das seinen Namen verdient.
Eine Orientierung an Epochenschwellen könnte dabei helfen. Und warum das Schlossmuseum nicht künftig enger an das Schloss als Gebäude koppeln? Gefragt werden könnte beispielsweise: Welche Geschichte hat das Gebäude? Welche Funktion hatte das Schloss in der Epoche der „bürgerlichen Revolution von 1848/49“? Was geschah in der Residenz in der Zeit des Nationalsozialismus und in der Wiederaufbau-Phase? Zum Thema “Mobilität” wiederum läge ein Nachdenken über die Folgen nahe, welche die „Automobilisierung der Stadtgesellschaft“ in den 1960er und 79er Jahren für das Schloss hatte: Eine vierspurige Straße und ihre Folgen für das Schloss und seine Beziehung zur Stadt.
Darmstadt muss sich entscheiden: Geht es darum, die vorhandenen Reststücke aus dem Fürstennachlass neu zu präsentieren und ihren höfischen (Personen) Kontext zum Identitätsmerkmal zu erheben? Zum durch und durch bürgerlichen Darmstadt passt das nicht. Zudem tun die politischen Akteure gut daran, das Darmstädter Kulturpublikum nicht zu unterschätzen. Niemand will zwischen Kunstmuseum, Galerien, Staatsarchiv, Universität, im Herzen der Stadtmitte, ausgerechnet Postkutschen sehen.
Das Schlossmuseum ist klein, die Stadt hat wenig Geld, im Rathaus sitzen keine Kulturfach-leute. Dennoch: Darmstadt kann die Chance nutzen, eine Baugeschichte, eine politische Geschichte, eine Sozialgeschichte des Schlosses zu erzählen. Eine Geschichte, die dann wirklich auch eine Stadtgeschichte ist.

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