Kommentar zum Echo-Kommentar „Zerfall einer Fraktion“

http://www.echo-online.de/3/static/554153.htm

Zitat: „ˆ…Die Spontitruppe Uffbasse blickt schon auf so etwas wie eine parlamentarische Tradition zurück. Da es ihr politisches Prinzip ist, dass jeder gewählte Stadtverordnete abstimmt, wie er will, funktioniert die Fraktionsarbeit ohne größere Reibungen! “

Hallo Daniel Baczyk,

eine Anmerkung sei mir zu Ihrem Kommentar zum Zerfall der Uwiga am 04.01.08 erlaubt. Es hört sich fast so an, als würden wir es nur schaffen so lange zu bestehen, weil bei uns jeder abstimmt, wie er will. Dies stimmt so nicht.

In 98% der Fälle können wir übereinstimmende Positionen erarbeiten. Unser Stimmverhalten ist das Ergebnis von oft langwierigen Diskussionen, die wir auch nach so langer Zeit im Parlament fast jeden Sonntag auf unseren Uffbasse Treffen führen. Wir sind immer bemüht, einen Konsens zu finden, haben aber auch alle genug persönliche Größe zu akzeptieren, wenn jemand anderer Meinung ist. Wir leben alle in völlig unterschiedlichen Lebenskontexten, die uns natürlich auch prägen. Und für jeden gibt es auch immer wieder Punkte, von denen er nicht abweichen will oder kann. Dies dann einfach ohne schlechte Gefühle untereinander hinzunehmen, auch wenn es sich vielleicht um einen Punkt handelt, bei dem man selbst gerne ein anderes oder einstimmiges Bild in der Öffentlichkeit abgegeben hätte, ist auch immer mal wieder eine Herausforderung. Dieser Herausforderung sind wir uns aber sehr wohl bewusst. Es handelt sich hierbei auch nicht nur um ein politisches Prinzip, sondern um eine persönliche Grundhaltung.

Wir wachsen aneinander und an unseren Aufgaben. Wir sind einen langen Weg miteinander gegangen und hatten und haben es auch nicht immer leicht. Warum wir nicht auch voneinander weglaufen? Es ist das Wissen und der Glauben daran, dass da, wo zwei oder mehr Köpfe aufeinander treffen, auch unterschiedliche Meinungen bestehen. Sonst denkt nur einer der Beiden. Und vor allem kommt bei uns immer noch der Mensch vor der Politik. Freundschaften und Sympathie sind wichtiger als Machtausübung oder Reputation. Und in den meisten Situationen hilft auch einfach mal eine Prise Humor und das Wissen, dass die Welt sich weiterdreht, egal was wir machen.

Auf den kleinen Fraktionen lastet ein enormer Druck. Bei uns gibt es nicht die berühmte Hinterbank, die in den großen Fraktionen so gerne genutzt wird. In einer kleinen Fraktion stehen alle ganz vorne. Oder ganz hinten. Deshalb funktioniert es bei kleinen Fraktionen nicht, wenn einer zuviel Macht haben möchte. Oder wenn einer gar nix macht. Diese Arbeitsbelastung und den Druck realistisch einzuschätzen, wünsche ich allen (noch kommenden) kleinen Fraktionen. Vor allem auch für die Wähler, für die es eine blöde Situation ist, wenn die von ihnen gewählte Partei sich (auch noch relativ kurz nach der Wahl) während der Legislaturperiode quasi auflöst.

Zu pathetisch? Sie sind gerne eingeladen, an einer unserer wöchentlichen Fraktionssitzung teilzunehmen und sich von der Atmosphäre (vielleicht) begeistern zu lassen.

Herzliche Grüße
Kerstin Lau

Ein Kommentar

  1. schön geschrieben kerstin,
    es scheint manchen menschen unheimlich zu sein, dass freude, ungezwungenheit und lockerheit auch mit arbeit verbunden sein kann.
    Die voraussetzung für funktionierende demokratie, das jeder nach seinem besten wissen und gewissen abstimmen sollte ist – wie wir leider immer wieder erleben – tatsächlich nicht selbstverständlich, sondern wird als außergewöhnlich dargestellt…………..
    Ja das ist es…….. wir sind außergewöhnlich.
    Außergewöhnlich natürlich, außergewöhnlich verständlich und außergewöhnlich auf dem boden geblieben und außergewöhnlich symphatisch!!!
    Einfach suuupi………..
    Und das alles trotz der ungeliebten parlametarischen zeit und energiefressmaschine.
    beste grüße
    der jörg d.

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