ungeliebter besuch

smach-odal-sp001587.gifKrawall hat politischen Hintergrund

Quelle: http://www.echo-online.de/sport/mehrsport/art2399,428231

Angriff von vermeintlich rechtsgerichteten Fans des SV Darmstadt 98, wie zunächst vermutet worden war, ist quasi auszuschließen

Die Übergriffe auf Anhänger von Eintracht Wald-Michelbach am Samstag im Spiel der Fußball-Gruppenliga bei der DJK/SSG Darmstadt haben wohl einen politischen Hintergrund. Wie ein Sprecher der Darmstädter antifaschistischen Szene, der anonym bleiben wollte, bestätige, habe man auf Ankündigungen aus dem rechten Lager reagiert. Bei der rechten Gruppierung soll es sich um die ,,Jugendliche Kameradschaft Odenwald“ handeln, die ihr Kommen für den vergangenen Samstag im Internet angekündigt habe. Ein Angriff von vermeintlich rechtsgerichteten Fans des SV Darmstadt 98, wie zunächst vermutet worden war, ist damit quasi auszuschließen. Vielmehr war es wohl Links gegen Rechts.
,,Man hat erfahren, dass die Faschisten nach Darmstadt kommen wollen. Man ging aber davon aus, dass sie nicht kommen. Denn eigentlich ist Darmstadt eine ’n o-go-area‘ für Rechte“, erklärte der Sprecher weiter. Als dann doch eine Gruppe aus dem Odenwald in Darmstadt war, habe man sich kurzfristig organisiert und nach Provozierungen der Rechten einen ,,Verweis“ erteilt. ,,Es gab ein paar Ohrfeigen“.

Bei den Auseinandersetzungen wurden acht Anhänger der Eintracht verletzt. Die Polizei sprach von 15 bis 20 vermummten Angreifern, die mit Schlagringen und Reizgas auf die Wald-Michelbacher Gruppe los gegangen sein sollen. Der Sprecher der antifaschistischen Szene wiederum nannte eine Zahl von 30 Rechten. Dass es sich dabei um ein Missverständnis – die Vereinsfarben der Eintracht sind Schwarz-Weiß-Rot, wie alte Reichskriegsflaggen – gehandelt habe, verneinte er.

,,Das war eindeutig zu erkennen. Man hat die Flagge des Faschistischen Nationalen Widerstands und andere rechte Symbole gesehen. Auch bekannte Darmstädter Faschisten waren zu sehen“, sagte der Sprecher der Antifaschisten. Die Rechten hätten sich unter die Eintracht-Fans gemischt. ,,Ob der Verein was damit zutun hatte, nein. Die anderen waren ganz normale Fans.“

Dass sich tatsächlich Rechtsradikale unter die Eintracht-Anhänger gemischt hätten, wollte man bei der DJK nicht ausschließen. So berichtete Trainer Peter Korbus davon, dass man aus der Vereins-Gaststätte Lieder gehört habe, in denen es immer wieder um ,,Deutschland, Deutschland“ ging. DJK-Torwart Christopher Blome erinnerte sich, dass die Angreifer mit ,,Wo sind die Nazis“ auf das Vereinsgelände am Müllersteich gekommen wären. Teilweise habe er auch Schriftzüge in Altdeutsch auf Kapuzenjacken gesehen, deren Träger er dem Wald-Michelbacher Block zuordnete.

Allerdings habe man bei der DJK, die von den Vorfällen überrascht wurde und sich von diesen distanzierte, im Vorfeld keinerlei Äußerungen mit politischen Hintergrund im Gästebuch des Vereins – mittlerweile geschlossen – erkennen können. Zwar habe es das ,,übliche Geplänkel gegeben“ und es sei gegenseitig mit dem Wort Hooligans gedroht worden. Vom Besuch einer rechtsradikalen Gruppierung sei indes nicht zu lesen gewesen. Wobei die Ankündigung sicherlich auch in verschlüsselter Form erfolgt sein kann. Oder in einem anderen Forum.

Die Polizei habe keine neuen Erkenntnisse, hieß es unterdessen. Zumindest teilte Polizeisprecher Gregor Derigs auf den politischen Hintergrund angesprochen mit: ,,Ich kann das weder bestätigen noch dementieren. Wir ermitteln in alle Richtungen“. Und dies wegen Körperverletzung sowie Haus- und Landfriedensbruch.

Der SV Darmstadt 98 und sein Fanverein distanzierten sich von den Vorfällen. Nach ersten Erkenntnissen sollen die Angreifer zum Teil Jacken mit der Aufschrift SV 98 getragen haben.

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