Demo gegen Flughafenausbau, 24.01., 14h

Fraßport zerstört – wir zeigen das Ausmaß
Nachdem die Stadt Kelsterbach gestern ihren Wald an Fraport verkauft hat, will Fraport bis März voraussichtlich die gesamte Fläche von 250 Hektar roden lassen, inklusive der Flächen zwischen dem südlichen Flughafenrand uns Walldorf. Letzteres Areal gehörte bereits zuvor der Fraport.Auch mit dem Rodungsbeginn gehen die Auseinandersetzungen weiter   ! Wir planen für Samstag, dem 24. 1. 09 eine Demo! Treffpunkt 14 Uhr, Waldparkplatz Okrifteler Straße
Treffpunkt: guckste: http://www.fluglaerm-eppstein.de/Archiv/Wegbeschreibung_Waldcamp.htm

2 Kommentare

  1. ausse FR on de lein vom 25.1.09

    Frankfurter Flughafenausbau

    Waldpartie mit Uniformierten

    Von Jutta Rippegather

    Der Kelsterbacher zuckt die Schultern: „Man kann ja doch nichts gegen die Staatsmacht ausrichten, das haben die Startbahnproteste doch gezeigt.“ Die neue Landebahn werde zwar mehr Lärm bringen, aber auch Arbeitsplätze. Deshalb sei es nicht verwerflich, dass Kelsterbach sich das Gelände dafür von Flughafenbetreiberin Fraport hat versilbern lassen. Nicht nur für ihn zählen erst die Jobs, dann die Lebensqualität: Der Kassiererin an der Tankstelle am Ortseingang fällt zum Flughafen als erstes ein, dass ihre vier Brüder dort ihr Geld verdienen. Ihr Kunde und dessen Ehefrau sind bei einer Luftgesellschaften in Lohn und Brot. „Sonst könnten wir uns unser schönes Haus nicht leisten.“

    Was ist ein tolles Haus wert, wenn jährlich 800.000 Flugzeuge über die Region hinwegdonnern, fragt Michael Wilk, Arzt und Sprecher der Bürgerinitiative Wiesbaden. Die Bevölkerung unterschätzte die Folgen für Herz, Kreislauf, Lunge. „Die wissen nicht was ihnen blüht“, sagt er am Samstag am Rande der Demonstration im Kelsterbacher Wald. Per Megaphon mahnt er immer wieder zu Besonnenheit und Gewaltlosigkeit. Lässt aber auch nicht locker, als die Polizei mit ihrem riesigen Aufgebot sich den Demonstranten zwei Mal in den Weg stellt, um sie am Weitergehen in Richtung Hüttendorf zu hindern. In beiden Fällen gelingt es den Leuten von der Bürgerinitiative, eine Eskalation zu vermeiden. Das erste Mal ist seitens der Polizei von einem „Missverständnis“ die Rede. Das zweite Mal dauert es eine Stunde, bis die Polizeikette sich öffnet, damit die Teilnehmer zum Abschluss das Camp der Waldbesetzer besuchen können.

    Schon zu Beginn der Demonstration mit schätzungsweise 500 Teilnehmern – die Polizei spricht von 250 – wird ein Stück Zaun umgeworfen, mit dem Fraport beim Rodungsbeginn das Hüttendorf abgeriegelt hatte. Ein symbolischer Akt, meint eine junge Frau mit roter Clownsnase. Fraport verstoße gegen Menschenrechte. „Es ist illegal, Menschen einzusperren“, sagt sie. Der Zaun nehme die Freiheit. Die Polizei nennt die Tat „Sachbeschädigung“. Deshalb und wegen „Hausfriedensbruch“ kommt es am Samstag zu sechs Festnahmen, nachzulesen im Polizeibericht. Das Gros der Demonstranten war auf das Rodungsgelände marschiert, zwei standen auf den Forstmaschinen, bevor sich eine dichte Kette Uniformierter vor den Geräten formierte.

    Der Anblick gefällter Bäume macht viele traurig und wütend. „Ich will mit meinen Kindern auch noch in dem Wald spazieren gehen, in dem ich als Kind spazieren gegangen bin“, ruft ein Mann ins Mikrofon. Jürgen (47) merkt selbstkritisch an, dass er sich zu spät dem Protest angeschlossen hat. Er habe sich viel zu sehr auf die Lokalpolitik verlassen. „Ich war zu blauäugig“, sagt der Rüsselsheimer. Ärgerlich sei es, dass Kelsterbach sich von Fraport kaufen lasse und die anderen Umlandkommunen damit verrate.

    Sven (48) zweifelt an der Unabhängigkeit der Justiz. Wie konnten die Verwaltungsrichter grünes Licht für die Rodung erteilen, bevor die Entscheidung im Hauptsacheverfahren gefallen sind, fragt er. Die Bürgerinteressen würden von Gerichten und Politik mit Füßen getreten. Fraport habe der Öffentlichkeit mit ihrem medizinischen Lärmgutachten Sand in die Augen gestreut, sagt der Biologe aus Frankfurt, der als Einwender erfolglos versucht hatte, den Ausbau zu verhindern.

    Für die französische Klettermeisterin Cécile Lecomte ist das keine Frage: Der Widerstand dürfe nicht nachlassen – weil er auch symbolisch sei. Mit acht weiteren Campbewohnern ist die 27-Jährige am Freitag von der Polizei in Gewahrsam genommen worden, nachdem sie Rodungsmaschinen besetzt hatten. Stundenlang waren sie im Polizeiauto eingesperrt. Céciles Fuß wurde in der Zellentür gequetscht, während sie einen Rechtsbeistand forderte. Seitdem geht sie auf Krücken. Sonntagmorgen werden weiter acht Camper verhaftet. Sie wollten die Jagd auf die Waldtiere verhindern.

  2. Kommentar zum artikel ausse FR 25.1.09

    Bitteres Signal

    VON JUTTA RIPPEGATHER

    Verräter“ möchte man spontan Richtung Kelsterbach schreien. Die Stadt lässt sich das Klagerecht gegen den Flughafen-Ausbau abkaufen. Knickt ein vor der großen finanzkräftigen Nachbarin Fraport. Doch andererseits ist auch nichts Verwerfliches daran, dass ein Bürgermeister für die Menschen seiner Stadt versucht, das Beste rauszuholen. Kooperationen bei Schulen und Kinderbetreuung, ein Joint Venture bei der Vermarktung des Ticona-Geländes – davon könnten die Kelsterbacher mit ihrem hohen Migrantenanteil sehr wohl profitieren. Der Flughafen jedoch rückt immer näher an ihre Wohnungen und Häuser.

    Der Verkauf der Flächen an Fraport zu diesem Zeitpunkt ist das falsche Signal. Mit dem Deal fällt Bürgermeister Manfred Ockel (SPD) all jenen Kollegen und Parteifreunden aus der Region in den Rücken, die der Klage vom Verwaltungsgerichtshof weiterhin eine Chance einräumen. Zudem überlässt er ihnen die Arbeit, das Nachtflugverbot durchzusetzen.
    Wenn auch zerknirscht, gibt Ockel den Kampf verloren. Eine bittere Botschaft für all jene, die sich dem Großprojekt weiterhin widersetzen – sei es auf dem juristischen Weg oder als Aktivist im Kelsterbacher Wald.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.