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„Für den erhalt des besetzten kuz bockenheim“

Hausbesetzung: “Gekommen, um zu bleiben ”

– Frankfurts Schuldezernat spricht von einer “Lösung im gegenseitigen Einvernehmen ”

Zur info en artikel aussem:

Main-Echo Aschaffenburg, 16.01.2009

und auch:  http://www.faitesvotrejeu.tk/

FRANKFURT. Die von der Stadt gesetzte Frist ist gestern abgelaufen, doch ausgezogen sind die Besetzer erst mal nicht. Am 2. August 2008 hatte eine Gruppe junger Künstler und Studenten das Wohnhaus auf dem Gelände der Gutenbergschule an der Varrentrappstraße im Frankfurter Stadtteil Bockenheim in Besitz genommen, um daraus ein selbst verwaltetes Kulturzentrum zu machen.

Das um 1910 entstandene Haus war völlig verwahrlost – abgesägte Wasser und Heizungsleitungen, offen stehende Fenster und jahrelange Vernachlässigung hatten an der früheren Villa des Schuldirektors Spuren hinterlassen. Seit vielen Jahren hatte die Stadt in das leer stehende Gebäude nichts mehr investiert.

“Wir sind gekommen, um zu bleiben ” lautet einer der Slogans der Kulturgruppe, die sich nach der traditionellen Croupier-Aufforderung beim Roulette benannt hat: “Faites votre jeu! ” – “Machen Sie Ihr Spiel! ”. Ihr Spiel treiben die jungen Leute, die vor ihrem Eindringen in das leer stehende Haus monatelang ohne Erfolg nach erschwinglichen Atelier- und Ausstellungsräumen suchten, aktiv und fleißig. Sie haben in Abstimmung mit der städtischen Bauaufsicht das verkommene Gebäude sorgsam wieder nutzbar gemacht, veranstalten fast täglich Musik- und Literaturabende, Vorträge, Diskussionen oder Kunstausstellungen und sorgen sogar für die Hausaufgabenbetreuung von Schülern aus dem Viertel. Ein so dicht gedrängtes Programm haben nur wenige der hoch subventionierten offiziellen Kulturzentren, weiß man in Frankfurt.

Schule braucht Räume
Doch Bürgermeisterin Jutta Ebeling, Frankfurts grüne Schuldezernentin, lässt über den angekündigten Rauswurf nicht mit sich reden. Denn die benachbarte Frankfurter Schule für Bekleidung und Mode hat dringenden Erweiterungsbedarf. Wie Schulleiter Malte Lütjens gegenüber unserer Zeitung betonte, brauchen die 1200 Schüler und 75 Lehrkräfte dringend sechs neue Unterrichtsräume, und die könnten freigemacht werden, wenn die Verwaltung samt Lehrerzimmer und einigen Gruppenräumen in die 200 Quadratmeter der besetzten Villa umzögen, wie seit 2003 angestrebt. Lütjens hat – “im Auftrag der Stadt ” Strafanzeige gegen die Kulturgruppe “wegen unbefugten Eindringens ” gestellt.

Inzwischen laufen Gespräche mit der Stadt, und Rüdiger Niemann, der für Frankfurts Schuldezernat die Verhandlungen führt, will über eine Räumung durch die Polizei nicht sprechen: “Wir gehen davon aus, dass wir zu einer Lösung im gegenseitigen Einvernehmen kommen werden ”. Niemann sucht geeignete Atelier- und Veranstaltungsräume, um sie preisgünstig an das Kulturzentrum weiterzuvermieten.

Vor 30 Jahren
Miriam Kellert, eine der Sprecherinnen des Kulturzentrums, betont die Kompromissbereitschaft ihrer Gruppe, wenn die Vorschläge “unsere Grundanforderungen berücksichtigen, nämlich genügend Ausstellungs- und Atelierräume ”. Allerdings würde die Gruppe, wie die Sprecherin gegenüber unserer Zeitung sagte, den Verbleib in dem Haus an der Varrentrappstraße klar bevorzugen: “Dieses Haus war vor 30 Jahren schon einmal besetzt, von Gruppen, aus denen später Teile der Gründungsgeneration der Grünen hervorgegangen sind ”.

Keine Gewalt
Auch Jutta Ebeling habe dem Vernehmen nach der Hausbesetzerszene zumindest nahe gestanden. “Umso unverständlicher es, dass sie sich weigert, mit uns auch nur zu sprechen und ständig ihre Mitarbeiter vorschiebt. ” Für die Mittzwanzigerin steht fest: “Gewalt ist für uns kein Thema, die lehnen wir strikt ab. ” Allerdings werde man sich “nicht ohne Gegenaktionen ” in eine Räumung fügen.

Ende der 70er Jahre war die damalige Hausbesetzung friedlich gelöst worden: Aus der Direktionsvilla wurde ein autonomes Jugendzentrum, das von der Politik nicht nur geduldet, sondern sogar gefördert wurde und 2002 an einen anderen Standort im selben Stadtteil umzog. ling

3 Kommentare

  1. ausse fr von heut 19.1.09:

    Falscher Alarm
    Die Polizei nimmt das Juz Bockenheim ins Visier – doch geräumt wird noch nicht
    Von Georg Leppert
    Es ist 12 Uhr mittags an diesem verregneten Wahlsonntag, als Matthias Schneider das Gefühl beschleicht, dass es für ihn und seine Mitstreiter heute eng werden könnte. Der Sprecher der Kulturinitiative “Faites votre jeu”, die seit August das ehemalige Jugendzentrum (Juz)an der Varrentrappstraße besetzt hält, hat vor dem Gebäude mehrere Zivilpolizisten ausgemacht. Als wenig später Mannschaftswagen der Polizei vor dem Haus in Bockenheim stehen, löst Schneider die Telefonkette aus, lässt befreundete Gruppen und Initiativen anrufen und kontaktiert Anwälte. Seine Botschaft: “Die Räumung des Juz steht bevor.”
    Die Polizei hat das Juz am Sonntag nicht geräumt. Der Einsatz habe aber mit den Besetzern zu tun gehabt, sagt Polizeisprecher Manfred Füllhardt. “Einige von ihnen wurden in einem Wahllokal an der Hamburger Allee gesehen.” Als reine Vorsichtsmaßnahme habe die Polizei die Einsatzkräfte in Bockenheim zusammengezogen. Und so kreisen am Sonntagmittag etwa zehn Mannschaftswagen rund um das Gebäude.
    Matthias Schneider will nicht glauben, dass der ganze Einsatz dem Schutz eines Wahllokals diente. Zwar sei im besetzten Haus am Abend eine Wahlparty geplant gewesen, “aber niemand hatte vor, irgendeine Aktion vor oder in einem Wahllokal zu starten.” Für ihn ist der Einsatz der Beamten vor allem eines: eine Provokation.
    Zugleich habe die Polizei wohl einmal austesten wollen, wie die Besetzer reagieren, wenn eine Räumung bevorsteht, sagt Schneider: “Die wollten sehen, wie schnell wir Leute mobilisieren können.” Das Ergebnis lautet: Sehr schnell. Schon kurz, nachdem die Initiative “Faites votre jeu” Alarm geschlagen hat, sind knapp 100 Menschen im Jugendzentrum, die überwiegend links gerichteten Gruppen angehören. Gemeinsam hätten sie sich gegen eine Räumung heftig gewehrt, sagt Matthias Schneider.
    Für ihn bleibt es dabei: Das Juz wird nicht verlassen, so lange die Stadt kein geeignetes alternatives Domizil für die Initiative bereit gestellt hat. Eine “gewaltsame Räumung” durch die Polizei habe alleine Bildungsdezernentin Jutta Ebeling (Grüne) zu verantworten. Die Politikerin hatte die Initiative in der vergangenen Woche ausdrücklich aufgefordert, das ehemalige Juz zu verlassen, da die Stadt das Gebäude der benachbarten Frankfurter Schule für Mode und Bekleidung versprochen hat.
    Zumindest am heutigen Montag werde es aber noch keine Räumung geben, hat Schneider von den Polizisten erfahren. Ob er das glauben soll, weiß er nicht.

  2. ausse fr vom 20.1.09

    Perspektive für Besetzer
    Stadt kündigt Gespräche mit jungen Leuten aus dem Juz Bockenheim an / Friedliche Demo
    Von Georg Leppert und
    Martin Müller-Bialon
    Die Botschaft war eindeutig: “Juz muss bleiben, Freiräume erkämpfen”, schallte es am Montagabend durch die Innenstadt. Mehr als 300 junge Leute demonstrierten für den Erhalt des besetzten Jugendzentrums (Juz) an der Bockenheimer Varrentrappstraße als Kunst- und Kulturzentrum.
    Begleitet wurde die Demonstration von einem Großaufgebot der Polizei. Dutzende Mannschaftswagen folgten mit Blaulicht dem Protestzug, Polizisten in voller Einsatzmontur bildeten ein Spalier für die Demonstranten, die vom Römer zur Bockenheimer Warte liefen. Mehrfach beschwerten sich die Anmelder der Versammlung über das ihrer Meinung nach unangemessen große Aufgebot an Beamten. Die Demonstration verlief friedlich.
    Unterdessen scheint Bewegung in den Streit ums Juz zu kommen, das die Initiative “Faites votre jeu” seit August besetzt hält. Man werde den jungen Leuten einen innenstadtnahen Alternativstandort vorschlagen, ließ Bildungsdezernentin Jutta Ebeling (Grüne) verlauten. Im Juz soll die Initiative nicht bleiben, da die Stadt die seit sieben Jahren leer stehenden Räume der benachbarten Frankfurter Schule für Mode und Bekleidung versprochen hat.
    Am Dienstag nächster Woche will Ebeling eine Delegation von “Faites votre jeu” empfangen. Bis dahin wird das Haus wohl nicht geräumt. “Wir setzen weiter auf Deeskalation”, betonte Ebelings Büroleiter Michael Damian. Für einen Dialog mit der Initiative möchte Ebeling einen Mediator einsetzen. Streitschlichter soll der Pädagogik-Professor und frühere Leiter des Fritz-Bauer-Instituts, Micha Brumlik, werden.
    “Wir freuen uns, dass Frau Ebeling endlich bereit ist, mit uns zu reden”, sagte Matthias Schneider, Sprecher der Besetzer, bei der Demonstration. Die Initiative werde das Juz aber sicher nicht für jedes andere Domizil verlassen. Bislang seien die Bemühungen der Stadt, eine Alternative zu finden, “sehr halbherzig” gewesen. Schneider erinnerte an den Vorschlag aus dem Bildungsdezernat, ein Gebäude in Rödelheim “völlig ab vom Schuss” zu beziehen. Das Juz in der Varrentrappstraße sei für die Bedürfnisse der Künstler schon ideal. “Es wäre sicherlich einfacher, einen anderen Platz für den Erweiterungsbau der Schule zu finden”, sagte Schneider.
    Als “Beitrag zur Eskalation” bewertet die Initiative den Polizeiaufmarsch vor dem Gebäude am Sonntag. Rund zehn Mannschaftswagen hatten das Haus mittags immer wieder umkreist. Von diesem Einsatz habe die Stadt nichts gewusst, sagte Damian.

  3. neues zum kuz bockenheim aus der FR vom 29.1.09

    Lust auf Gefängnis
    “Faites votre jeu” prüft Klapperfeld als Domizil
    Von Georg Leppert
    Im Streit um das besetzte Haus in der Varrentrappstraße 38 rückt eine Lösung näher. Die Kulturinitiative “Faites votre jeu” steht dem Angebot, das Gebäude zu verlassen und ins ehemalige Polizeigewahrsam an der Klapperfeldstraße zu ziehen, grundsätzlich offen gegenüber, sagte der Sprecher der Gruppe, Matthias Schneider. Es gebe aber noch einige Fragen zu klären. Bis Ende nächster Woche muss sich die Initiative entscheiden, ob sie das Angebot annimmt.
    Die Stadt hatte den Künstlern, die das ehemalige Jugendzentrum Bockenheim seit August besetzt halten, am Dienstag das Klapperfeld vorgeschlagen. Die Miete soll nur symbolischer Natur sein, die Stadt könnte sich etwa einen Zuschuss zu den Heizkosten vorstellen. Der Mietvertrag hätte eine Laufzeit von zwei Jahren.
    Die Initiative nehme “positiv zur Kenntnis”, dass Bildungsdezernentin Jutta Ebeling (Grüne) nun zu Verhandlungen bereit sei, teilte “Faites votre jeu” mit. Zu verdanken sei das auch dem Engagement des Pädagogik-Professors Micha Brumlik, der in dem Streit zwischen Stadt und Besetzern als Mediator fungiert. Eine Entscheidung sei aber erst möglich, wenn sich mehr Mitglieder der Gruppe das Klapperfeld angesehen hätten, sagte Schneider. Am Dienstagabend hatte sich nur eine Delegation der Initiative das Klapperfeld angeschaut. Am heutigen Donnerstag (16 Uhr) und am Samstag (15 Uhr) soll es öffentliche Besichtigungstermine geben.
    Sorgen bereitet “Faites votre jeu” die kurze Laufzeit des Mietvertrages. Die Initiative befürchtet, dass die Stadt das Gebäude danach ans Land Hessen verkauft, das vor zwei Jahren einmal geplant hatte, an der Konstablerwache ein Justizzentrum zu errichten. “Dann hätten wir viel in die Sanierung des Hauses gesteckt und stünden wieder auf der Straße”, sagte Schneider.
    Einer Einigung mit der Stadt stehe zudem noch die Strafanzeige gegen die Hausbesetzer im Weg. Das Bildungsdezernat hatte im August Anzeige erstattet, nachdem die jungen Leute im Anschluss an eine Party in das ehemalige Jugendzentrum eingezogen waren. Hintergrund ist, dass das Gebäude der benachbarten Schule für Mode und Bekleidung als Erweiterungsbau versprochen ist. Die Stadt werde die Anzeige jedoch zurückziehen, wenn die Initiative das Angebot annimmt und in den nächsten Wochen ins Klapperfeld zieht, sagte Ebelings Referent Michael Damian.
    Das Bildungsdezernat bewertet die Gespräche mit den Hausbesetzern als “konstruktiv”. Eine andere Lösung als den Umzug der Gruppe ins Klapperfeld sieht Jutta Ebeling allerdings nicht mehr. Ein weiteres Angebot an die Besetzer werde es jedenfalls nicht geben, ließ sie mitteilen. Kommentar F 4

    Leitartikel
    Ab in den Knast
    Georg leppert
    Die Stadt hat sich bei der Suche nach einem neuen Domizil für die Künstler viel Mühe gegeben – auf Knien danken muss man ihr dafür aber nicht.
    Wenn alles gut geht, ist der Streit um das besetzte Haus Varrentrappstraße 38 in wenigen Wochen vorbei. Dann zieht die Initiative “Faites votre jeu” aus dem einstigen Jugendzentrum Bockenheim aus und richtet sich im früheren Polizeigewahrsam an der Klapperfeldstraße ein. Gut ein Jahr später hätte die Frankfurter Schule für Mode und Bekleidung an der Varrentrappstraße endlich ihren Erweiterungsbau, auf den sie schon so lange hofft.
    Kommt es so, wäre das eine Lösung für einen Konflikt, den viele lange Zeit für nicht lösbar hielten. Denn eine echte Alternative zum Gebäude in Bockenheim schien es nicht zu geben.
    Das Klapperfeld ist ohne Frage ein gutes Domizil für die Initiative “Faites votre jeu”. Die jungen Leute hätten dort mehr Platz als in Bockenheim, sie wären an einem zentralen Ort, und dass ein altes Gefängnis in der Szene der Kunst- und Kulturschaffenden als cool gilt, darf man voraussetzen. Die Stadt hat sich, das muss man anerkennend feststellen, bei der Suche nach einer Bleibe für die Gruppe viel Mühe gegeben.
    Dafür muss man Bildungsdezernentin Jutta Ebeling nicht auf Knien danken. Das Angebot, ins Klapperfeld zu ziehen, ist kein Gnadenakt, sondern nur Ausdruck einer Haltung, die in einer Stadt wie Frankfurt selbstverständlich sein sollte: Zur Kultur gehören nicht nur Oper, Schauspielhaus und Städel, sondern eben auch freie Gruppen, die Kunst machen und zugleich politisch aktiv sind.
    Fakt ist aber: “Faites votre jeu” wird es schwer haben, Argumente zu finden, um das Klapperfeld abzulehnen. Natürlich konnte niemand erwarten, dass die Gruppe schon am Tag nach der ersten Besichtigung das Angebot der Stadt akzeptiert. Denn tatsächlich sind ja noch einige Fragen offen. Mit Recht interessieren sich die jungen Leute vor allem dafür, was eigentlich nach Ablauf des Mietvertrags in zwei Jahren passieren soll. Zwar hat das Land Hessen die Pläne für ein Justizzentrum an der Konstablerwache in den vergangenen zwei Jahren nicht besonders intensiv verfolgt, vom Tisch sind sie gleichwohl noch nicht. Dass die Gruppe keine Lust hat, viel Zeit und womöglich auch Geld in Sanierung und Umbau des Klapperfeldes zu stecken, um in zwei Jahren wieder ausziehen zu müssen, ist durchaus verständlich.
    Wichtig aber ist zunächst einmal, dass die Initiative dem Vorschlag grundsätzlich offen gegenüber steht. Denn eine andere Reaktion hätte Kritikern der Künstler in die Karten gespielt, die hinter vorgehaltener Hand behaupten, “Faites votre jeu” sei gar nicht an einer Lösung des Konflikts interessiert, sondern wolle in Wahrheit nur Unfrieden stiften. Und diese Haltung würde nicht zum durchaus offen wirkenden Auftreten passen, dass die Gruppe in den vergangenen Monaten gezeigt hat. F 6

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