Kerstin Lau – wieso kandidiere ich als OB Kandidatin ?

Ich möchte mit meiner Kandidatur zeigen, was Menschen alles erreichen können, wenn sie zusammen stehen und sich gegenseitig unterstützen. Vielleicht habe ich keine Chance, aber ich werde zeigen, dass man mit einem Wahlkampfetat von 500 Euro einen genauso guten Wahlkampf führen kann wie mit zwei Vollzeitstellen und Tausenden von Euros, wie es Michael Siebel und Jochen Partsch machen. Jeder von uns hat so viel Ressourcen in sich und in seiner Umgebung, so viel Kreativität und Phantasie, die man nutzen kann, man benötigt keine teuren Kleider, Diäten, Videos, Marketing Experten, Coachs, Strategen, Riesenplakate u.ä.. Da, wo Menschen an etwas glauben und sich unterstützen, werden Dinge möglich gemacht.

Und das unterscheidet auch die inhaltliche Differenzierung. Genau so viel Geld, wie die etablierten Parteien benötigen, um einen (langweiligen) Wahlkampf auf die Beine zu stellen, brauchen sie auch für alle anderen Vorhaben. Weil sie nicht bereit und in der Lage sind, nach kreativen Lösungen zu suchen und sich auf das zu besinnen, was einfach und machbar ist. Weil sie nicht bedürfnissorientiert handeln, sondern dem Traum vom ewigen Wachstum hinterherjagen.

Statt die Bevölkerung zu urban gardening aufzurufen, benötigen die Etablierten eine Landesgartenschau für 11 Millionen Euro. Statt sich gute Busverbindungen quer durch die Stadt auszusuchen, die flexibler und günstiger sind, muss es eine Straßenbahn für 17 Mio Euro sein – die Lichtwiesenbahn, die eigentlich niemand will. Statt die Ressourcen und Kompetenzen in der Stadtverwaltung für die Entwicklung der wenigen verbliebenen freien Flächen in Darmstadt zu nutzen, benötigt man einen Masterplan 2030, für den durch eine Prozessbegleitung, Öffentlichkeitsarbeit, Moderation und die Umsetzung durch 5 Fachbüros Kosten in Höhe von ca. 1,5 Mio Euro anfallen. Die Sanierung der Mathildenhöhe in Höhe von 18 Millionen Euro befürworte ich – die Mathildenhöhe ist ein schöner Teil Darmstadts. Aber ein Weltkulturerbe Mathildenhöhe, dessen Kosten für die Stadt noch vollkommen unbekannt sind, braucht es in Darmstadt wirklich nicht. Das ist nur ein Titel, der die Mathildenhöhe nicht schöner oder bedeutsamer macht. (Die Mathildenhöhe ist weder von der Zuwegung dazu geeignet, besonders touristisch erschlossen zu werden, noch haben wir in Darmstadt die nötigen Hotels dafür.)

Ich bin die Mitte in Darmstadt. Ich habe ein Einkommen, dass etwas über dem bundesweiten Durchschnitt liegt und kenne trotzdem die Monate, in denen das Geld nicht reicht. Ich lebe mit zwei Kindern, kenne die Sportangebote, die Schulen und die Quantität und die Qualität von Betreuungsangeboten aus eigener Erfahrung. Ich nutze den RMV, fahre Fahrrad und benötige ein Auto, weil ich ansonsten nicht in der Lage wäre, meine Kinder zu versorgen und meiner Arbeit nachzugehen. Ich kenne die Gegebenheiten eines Wirtschaftsunternehmens, die Umstrukturierungen, die Sorgen um den Arbeitsplatz, den Druck, die Angst. Ich gehöre zu den Menschen, die keine größeren Ersparnisse anhäufen können und deren bisschen Wohlstand und Sicherheit vor allem davon abhängt, dass sie ihr wichtigstes Kapital erhalten: ihre Gesundheit.

 

 

 

 

 

Ich gehe in die Altersarmut, es sei denn, es gibt noch eine große Rentenreform. Ich bin irgendwie in vielem ganz normaler Durchschnitt und traue mir trotzdem zu, es besser zu machen, als die Kandidaten, die ihr ganzes Leben im Politikbetrieb verbracht haben und denen ganz einfach die Bodenhaftung und die Erfahrungen eines ganz normalen Lebens in dieser Stadt fehlen.

Es missfällt mir, dass es so viele Berufspolitiker gibt, die nach einem Politikstudium ohne weitere berufliche Erfahrungen in der freien Wirtschaft eine politische Tätigkeit aufnehmen, ohne das reale Leben zu kennen.

Ich lebe sehr gerne in Darmstadt, wo ich mein ganzes Leben verbracht habe. In der ich fast jeden Stein kenne, so viele wunderbare, warmherzige, offene Menschen kennen gelernt habe, in der meine Kinder aufwachsen, in der meine Familie lebt, mein Verein spielt, in der ich meine Freunde treffe und in der ich so fest verwurzelt bin, dass ich nie hier weggehen würde.

Als Uffbasse Mitgründerin (1993) habe ich als Stadtverordnete (2004) und Fraktionsvorsitzende (2012) genug kommunalpolitische Erfahrungen gesammelt, um an der Spitze einer Verwaltung zu stehen. Trotz dieses jahrelangen Engagements, dass vieles bewegt hat, bin ich nie Teil dieses Systems geworden, habe nie nach Karrieremöglichkeiten in einer der etablierten Parteien gesucht, sondern bin immer unabhängig geblieben. Neben einem abgeschlosenen Studium als Diplom-Sozialpädagogin habe ich noch Zusatzausbildungen als Coach und Mediatorin. Beruflich hatte ich die Möglichkeit, ein Führungskräfteentwicklungsprogramm zu durchlaufen und Führungserfahrungen zu machen. Ergänzt um das Wissen aus meiner Aufgabe als Accountmanagerin und der Begleitung und Leitung von Projekten traue ich mir zu, vernünftige Entscheidungen zum Wohl der Bürgerinnen und Bürger dieser liebenswerten Stadt zu sammeln.

Ich hätte es traurig gefunden, wenn in Darmstadt keine Frau kandidiert hätte. Die etablierten Parteien scheinen nicht in der Lage zu sein, talentierte Frauen in ihren Fraktionen oder außerhalb zu fördern und zu entwickeln. Politisch fände ich einen gendergerechten Haushalt gut. Dieser beinhaltet, dass analysiert wird, wie viel Prozent der Haushaltsausgaben für Frauen und wie viele für Männer verwendet werden. Ich glaube, wir wären sehr überrascht und es würden sich viele Handlungsfelder ergeben.

Und meine Kandidatur ist auch eine klare Kampfansage an alle Menschenverachter und Rechtspopulisten: ihr habt keinen Platz in Darmstadt. Uffbasse hat schon gegen Rechtsradikale gekämpft, als die etablierte Politik das Thema noch totgeschwiegen hat. Wir haben dafür gesorgt, dass sich solche Gruppierungen in Darmstadt nicht treffen können und keine städtischen Räume vermietet bekommen. Man hat über uns gelacht und uns vorgeworfen, wir hätten Hirngespinste und würden Gespenster an die Wand malen.

Hier gibt es Uffbasse, wir stehen für ein soziales Miteinander, kämpfen für gelungene Integration, einen guten Umgang miteinander, die Freiheit des Andersdenkenden – solange sich dieses Andersdenken an den Werten des Grundgesetzes orientiert. Wir dulden keine Hetze, Abwertung, keinen Rassismus, keine Homophopie, keinen Sexismus.

Wieso kandidiere ich als OB Kandidatin (PDF)

4 Kommentare

  1. ich gönne es Ihnen von ganzem Herzen. Und auch wenn Sie nicht alles umsetzen können, was Sie sich vorgenommen haben. Auf Grund Ihrer Vita hätten Sie meine Stimme sicher. Gaaaanz sicher!!!

  2. Mal schaun. Besten Dank für die interessante Alternative, werd’s mir überlegen. (Räusper) Homophobie wird übrigens mit „b“ geschrieben, aber kleine Mängel können ein Gesamtbild ja auch sympathisch abrunden.

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