Schottergärten und lähmende Darmstädter Politik

Im Juni 2019 präsentierten wir in der Darmstädter Stadtverordnetenversammlung einen klar formulierten und zielgerichteten Antrag: Der Versiegelung von Frei- und Grünflächen, insbesondere in Form von Schottergärten, sollte ein Riegel vorgeschoben werden.

Schottergärten, gerne auch „Gärten des Grauens“ genannt, stellten sich in den vergangenen Jahren als Trend ein, sind jedoch nicht nur ästhetisch sondern auch ökologisch ein einziger Schrecken.

Doch selbst mit juristischer Rückdeckung des Landes Hessen (die Hessische Bauverordnung räumt in dieser Frage der Kommune volle Souveränität ein), lief unser Uffbasse-Vorstoß ins Leere. Die regierende Koalition (damals Grün-Schwarz, ohne Volt) wollte sich diesem pragmatischen und unmittelbaren Handlungsentwurf nicht anschließen. Es sei alles nicht so einfach, hieß es, eine Prüfung der Möglichkeiten sei nötig. Eine Arbeitsgruppe wurde gebildet.

Diese ist bis heute ohne Ergebnis, wie die Recherche der örtlichen Presse im September offenbarte.

So vermeldete das Darmstädter Echo, dass die Stadt Darmstadt beim Thema „Schottergärten“ weiterhin auf der Stelle trete. „Die Begrünungssatzung befindet sich weiterhin innerhalb der Arbeitsgruppe in Vorbereitung“, antwortet die Pressestelle der Stadt zum Arbeitsstand auf Echo-Anfrage.

Mehr als zwei Jahre nach unserem Antrag ist somit klar: Es hat sich nichts getan. Die erwähnte Arbeitsgruppe von Rechts-, Stadtplanungs- und Umweltamt, beauftragt mit der Ausarbeitung einer politisch-juristischen Maxime für den Umgang mit Schottergärten in Darmstadt, hat auch heute noch kein Ergebnis vorlegen können.

Selbst die jüngste Hochwasser-Katastrophe des Sommers samt der Debatten zum Umgang mit starken Regenfällen, Mängeln bei der Versickerung von Niederschlag und krassen Wetterlagen scheint in dieser Sache bei den Verantwortlichen keine verschärfte Dringlichkeit der Bearbeitung ausgelöst zu haben.

In der Konfrontation mit dem Klimawandel werden derzeit auf fast allen politischen Ebenen Lösungen gesucht – nicht selten, hofft man dabei auf bahnbrechende, technische Innovationen, die das Problem einfach „wegzaubern“.

Aus den Augen verloren gehen dabei scheinbar ganz simple, unmittelbare Handlungsoptionen mit denen selbst im kleinen, kommunalen Rahmen den klimatischen Herausforderungen wirkungsvoll begegnet werden kann.

Der regierenden Koalition aus Grüne, CDU und Volt in unserer Stadt mangelt es scheinbar nicht nur an Perspektive sondern auch an entschiedenem Handlungswillen.

Die Tristesse des Schottergartens geht weit über die Optik hinaus. Schottersteine auf einer dicken Kunststoff-Folie sollen verhindern, dass sich Unkraut und Grün breit machen. Pflegearm sei das, meinen Schottergarten-Fans. Die Folge dieser rabiat versiegelten Flächen: Regenwasser versickert nicht, Flora und Fauna haben keine Chance zu gedeihen, Insekten haben keinen Lebensraum und finden keine Nahrung mehr. Plus: „Die Flächen können sich im Sommer auf bis zu 70 Grad aufheizen. Auch Allergene, Pollen und Schadstoffe bleiben in der Luft und werden nicht durch Blätter gefiltert“ (Darmstädter Echo).

Das absurde: die Hessische Bauordnung (§91, Punkt 5) hat hierfür bereits einen eindeutigen, gesetzlichen Rahmen gesetzt, der Kommunen in dieser Frage freie Hand lässt: „Die Gemeinden können durch Satzung Vorschriften erlassen über die Begrünung von baulichen Anlagen sowie über die Benutzung, Gestaltung und Bepflanzung der Grundstücksfreiflächen.“ Zusätzlich ist Paragraf 8 der Hessischen Bauordnung zu entnehmen, dass nicht überbaute Flächen wasserdurchlässig zu belassen, zu begrünen oder zu bepflanzen seien.

Dass es anders geht, zeigen nicht nur andere Bundesländer  (in Bayern und Baden-Württemberg sind Schottergärten bereits grundsätzlich verboten), sondern auch die Nachbarschaft. In der Stadt Griesheim ist die ökologische Sackgasse Schottergarten seit November 2020 ein Tabu. Einstimmig (!) regelte dort die Stadtverordnetenversammlung, dass Freiflächen künftig begrünt und bepflanzt sein müssen.

Im mehrheitlich von den Grünen regierten Darmstadt ein fast utopisch wirkender Pragmatismus …

 

Foto: BBirke, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

 

2 Kommentare

  1. Habt ihr nichts anderes zu tun?
    Die Nachbarschafts Polizei lässt grüßen. Wenn jetzt noch die Möglichkeit geschaffen wird, anonym zu verpetzen, ist das Maß voll.

    1. Hää??? Dadevon (Petzen und Polizei) lese ich gar nix in dem Artikel – aber uns ärgern die sterilen Gärten und entsprechende Gräber auf dem alten Friedhof auch sehr. Ist zwar pflegeleicht aber sowas von ungesund für das lokale Stadtklima sowie wenig förderlich zur Abwendung des globalen Klimawandels!

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