Zeitzeugen zum Thema „Jazz im dritten Reich/Swingtanzen verboten“

ˆšÂ¢€šÃ‘¢”     Jazz im Dritten Reich   ˆšÂ¢€šÃ‘¢”
Swing tanzen

Verboten!
Emil Mangelsdorff und

Fritz Rau erzählen von ihrer Jugend in der Nazizeit
Dienstag,           28.10.2008

Beginn:               19.00 Uhr

in der Synagoge Pfungstadt, Hillgasse 8

Eintritt 10,-€ /5,-€ erm.

www.synagoge-pfungstadt.de

Die beiden Freunde von Emil Mangelsdorff   und Fritz Rau werden bei ihrem Vortrag “Jazz im 3. Reich ” über ihre persönlichen Erlebnisse als Zeitzeugen berichten. Musikalischer Höhepunkt sind Solostücke, die Emil Mangelsdorff auf seinem Altsaxophon vortragen wird.

Fritz Rau gilt als der bedeutendste Konzertveranstalter Deutschlands. Er organisierte unter anderem Konzerte für die Rolling Stones, Marlene Dietrich, Jethro Tull, Bob Dylan und andere Größen der Rock-, Pop- und Jazzgeschichte. Ursprünglich durchaus empfänglich für die Verführung durch den Nationalsozialismus haben ihn nach eigenen Angaben Jazz, Swing und Blues an Körper, Geist und Seele entnazifiziert.

Emil Mangelsdorff gründete 1941 noch während des Krieges mit Freunden den Hot Club Frankfurt. In dieser Zeit war nicht nur das Spielen, sondern auch das Hören dieser Musik von der Gestapo überwacht, da Jazz als “entartet ” und als “Nigger- und Judenmusik ” galt. Mangelsdorff landete im Gefängnis, später als Soldat an der Ostfront, wo er in Krieggefangenschaft geriet. Erst 1949 wurde er nach Frankfurt entlassen, wo er sich zu einem der wichtigsten deutschen Jazzmusiker entwickelte.
 
 

Ein Kommentar

  1. Hierzu en artikel vom darmecho 30.10.08

    Für den Swing ins Gefängnis
    Jazztalk: Emil Mangelsdorff und Fritz Rau zu Gast in der Pfungstädter Synagoge

    PFUNGSTADT. Bisher sind sie meist alleine aufgetreten: der Jazzmusiker Emil Mangelsdorff mit Gesprächskonzerten und der Konzertmanager Fritz Rau mit Lesungen aus seiner Autobiografie (“50 Jahre Backstage”). Am Dienstag gestalteten die beiden in der Pfungstädter Synagoge die gemeinsame Veranstaltung “Swing tanzen verboten”. Es war die Idee von Rau, der nach dem Tod seines Partners Horst Lippmann in seinem Freund Mangelsdorff einen weiteren Zeitzeugen des Terrors in der Nazidiktatur gefunden hat.
    Mangelsdorff (Jahrgang 1925) überlebte die Nazizeit mit Glück und Geschick und kehrte nach russischer Kriegsgefangenschaft erst 1949 in die Heimat zurück. Rau (Jahrgang 1930) erlebte die Hitler-Diktatur als Waisenkind, das “mehr oder weniger erzogen wurde”, wie er erzählte, und geriet als fünfzehnjähriger Jungvolkführer in die Fänge der Unmenschlichkeit. Durch den Einmarsch der Alliierten wurde er als Kriegsfreiwilliger 1945 gerettet und bezeichnet dies heute als “Gnade der frühen Besatzung”.

    Rau entdeckte den Swingjazz als Ausdruck von Freiheit, Menschlichkeit und Individualität und wurde allmählich an Körper und Seele entnazifiziert. Musik wurde zu seinem Lebensmittelpunkt und “Lippmann und Rau” bis heute zu einer der wichtigsten deutschen Konzertagenturen.

    In den achtziger Jahren begann der Altsaxofonist Emil Mangelsdorff, Konzerte mit Berichten über seine Erlebnisse als jugendlicher Swingmusiker unter der Nazidiktatur zu ergänzen. Unvergesslich ist ihm das Orakel seiner Mutter geblieben, die schon 1933 den Weltkrieg prophezeite, und als musikalisches Kind empfand er die Stimme des Diktators aus dem Radio als bedrohlich. Mit Freunden gründete er 1941 in Frankfurt eine Swingband und den ersten Jazzclub, den “Hot Club Frankfurt”. Nach dem Verbot der “Niggermusik” und dem Gebot “Swing tanzen verboten” folgten für den Saxofonisten schwierige Jahre mit Verhaftung durch die Gestapo und Verlegung an die Front. Als Mangelsdorff endlich aus der Gefangenschaft zurückgekehrt war, hatte der Jazz sich gewandelt, er fand jedoch schnell wieder Anschluss und galt bereits in den fünfziger Jahren als einer der wichtigsten Altsaxofonisten Europas. Dies ist er geblieben, wie er zwischen den Lesungen musikalisch bewies. Nach einer Improvisation zu Beginn folgte eine Variation über den Klassiker “Body and Soul” und ein Blues, dem der gefeierte Solist mit “Confirmation” eine Zugabe folgen ließ.

    Hans-Dieter Vötter
    30.10.2008

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