Stavogebabbel zum Thema „Friedensplatz/Roter Granit aus Indien“

Herr Stadtverordnetenvorsteher, meine Damen und Herren,

Wir alle wollen eine attraktive, freundliche Innenstadt zum Wohlfühlen.
Eine Innenstadt deren Gestaltung nicht nur das Einkaufen zu einem schönen Erlebnis macht, sondern auch den Aufenthalt und das Verweilen.
Dazu braucht es Plätze, die zum Ausruhen, Durchschnaufen und Innehalten einladen.
Undˆ… besonders auch Plätze, die Raum für Kinder lassen.

Von daher ist der momentane Zustand des Friedensplatzes nicht wirklich als Ideal zu bezeichnen. Wir begrüssen daher grundsätzlich Überlegungen diesen Platz umzugestalten.

Trotzdem werden wir dieser Vorlage in dieser Form nicht zustimmen, denn so umgesetzt bedeutet es für uns eher eine Verschlechterung der jetzigen Situation.
Warum?
Wieder soll eine Fläche zubetoniert und zugepflastert werdenˆ…
Wieder soll ein fast kahler, grauer, leerer nahezu unbegrünter Platz entstehenˆ…
Ein Platz dessen einziger Schmuck aus (selbstgefälligen) Architekten-Floskeln in der Vorlage besteht.
Abschreckende Beispiele dafür, was dabei herauskommt, haben wir zu Genüge: man ergötze sich am Anblick des Europaplatzesˆ…

Immerhinˆ…es wird in der Vorlage von “einigen” Spielgeräten geredetˆ… für uns etwas zu wenig! Sodass der Eindruck entsteht kleine bunte Kinder mit ihren Aktivitäten würden wohl eine optische Unruhe in die graue BetonPflasterlandschaft bringen und damit die “Sichtachse” störenˆ…
Und weil diese Version von kinderfreundlicher Gestaltung wohl sogar den geistigen Vätern dieser Vorlage etwas wenig erschien, beruhigte man sich das Gewissen mit der Option, es könne bei Bedarf ja auch noch Spielmöglichkeit im Schlossgraben geschaffen werdenˆ…
In den Schlossgraben!!
In den auch die Abgasentlüftung der Tiefgarage geführt werden soll!!!
Was ist das???
Eine Art Desensibilisierungsmassnahme für die heranwachsende Generation im Hinblick auf erhöhte Feinstaub- und Abgasbelastung durch Abgaskamine und Nordostdurchführung????

                                                                                                                                                                                                                                                                                        Warum nicht eine Grünfläche mit mehr Bäumen? Einem adäquaten Spielplatz? Mehr Sitzmöglichkeiten und evtl. doch einen funktionierenden Brunnenˆ… nicht militärisch aufgereiht, was so nicht mal für ein Kalenderbild und schon gar nicht zum geselligen Aufenthalt einlädtˆ…

Klarˆ… Solch eine Forderung erscheint bezüglich der momentanen Haushaltslage als schwierigˆ…
Deswegen sind wir der Meinung, dass bevor wir mit den zur Zeit äusserst knappen Finanzen der Stadt einer halbherzigen, unbefriedigenden Lösung zustimmen, wir eher noch eine Weile mit der momentanen, schon seit Jahrzehnten bestehenden Situation weiterleben können.
Wir sollten die hier verplante Summe von immerhin rund 1,3 Millionen Euro in wirklich dringenst benötigte Projekte, wie z.B. der Schulbausanierung investieren. Zumal im nächsten Jahr, aufgrund mangelnder Liquidität der IDA in der Schulbausanierung nur noch Feuerschutz- und Sicherheitsrelevante Ausbesserungsarbeiten umgesetzt werden sollenˆ…obwohl die Goetheschule z.B. eine neue Turnhalle brauchtˆ…
Ein guter Grund also, dem Antrag der Uwiga auf Rückstellung der Vorlage zuzustimmen.

Ein weiterer nicht zu vernachlässigender
Grund diese Vorlage in der Form abzulehnen, ist wieder einmal das Thema: Roter Granit aus Indien!
Auch hier soll wieder roter indischer Granit für die Bogenpflasterung im Aussenbereich verwendet werdenˆ…
Und das, obwohl uns nach wie vor nur Selbsterklärungen der Lieferanten und immer noch kein von einer unabhängigen Organisation, wie z.B. Xertifix, ausgestelltes Unbedenklichkeitszertifikat vorliegt, um somit sicherzustellen, dass dieser rote Granit eben nicht! Mit Hilfe von Kinder- und Sklavenarbeit abgebaut und weiterverarbeitet wurde!
Grundlage hierfür ist die Genfer Konvention Nr. 182 der Internationalen Arbeitsorganisation ILO
Diese Konvention ist ebenfalls Grundlage des Earthlink Städtebunds   “Aktiv gegen Kinderarbeit” in dem die Stadt Darmstadt seit 2006 durch einen Beschluss dieser Stadtverordnetenversammlung Mitglied ist.
Und der Magistrat möge sich doch bitte bei der Ausarbeitung seiner Vorlagen an die Beschlüsse halten!!
Aus diesem Grund und um unser aller Beschluss, nämlich Kinderarbeit zu bekämpfen, effektiv umzusetzen , bringen wir hiermit diesen Zusatzantrag ein:
Die Stadtverordnetenversammlung möge beschließen:
Der Magistrat wird beauftragt:

  • Natursteinmaterialien werden nur noch dann angeschafft und verwendet, wenn ein unabhängiger Nachweis erbracht wird, dass diese aus zertifizierten Betrieben im Sinne der Konvention Nr.182 der ILO (Internationale Arbeitsorganisation in Genf), d.h. ohne Verwendung von Kinderarbeitern und/oder Schuldknechtschaft, stammen.
  • Selbstbescheinigungen von Importeuren und/oder deren Produzenten, dass sie ohne Kinderarbeit/ Schuldknechtschaft produzieren, erfüllen die oben genannten Bedingungen nicht und sollen nicht anerkannt werden.
  • Dies muss auch in betroffenen Magistratsvorlagen und den evtl. darauffolgenden Ausschreibungen formuliert und manifestiert werden.

Begründung:

Granit- und andere Natursteine werden in Indien und anderen Ländern der sogenannten 3. Welt oft mit Hilfe von Kinder- und Sklavenarbeit abgebaut und für den Export weiterverarbeitet.

4 Kommentare

  1. Wohl kaum ein Zeichen der Einsicht! Zumindest bei den meisten der uns Regierenden! Die „demokratische Mehrheit“ hat sich in all ihrer „Weisheit“ gegen unseren Antrag entschieden… siehe Abstimmungsergebnis:
    dafür – UFFB, Alternative DA, Linke, Uwiga, CDU, 2x Grüne

    enthalten – 1x grün

    dagegen – SPD, FDP, Grüne

  2. Das Abstimmungsergebnis war ja schon fast vorauszusehen. Die Koalition kann natürlich nicht einem Antrag der Opposition zustimmen. Dieses politische Taktieren zeigt mal wieder, dass das Prinzip der Koalitionsbildung zu keinen sinnvollen Ergebnissen führt. Ich denke, dass man mit wechselnden Mehrheiten weitaus bessere Abstimmungen erzielen könnte.

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