Rede zur „Gefahrenabwehrverordnung“ / Strassenmusik

Ergänzend zum unten stehenden Artikel die dazugehörige Rede:uff_wespe

Strassenmusik gehört zu den Dingen, die eine Innenstadt beleben und ihr Flair mitgestalten. Es ist Kunst. Internationale Künstler, wie etwa der im Sommer in der Centralstation aufgetretene DUB FX präsentieren ihre Musik auf der Strasse, sind so erst bekannt geworden.
Die Neufassung der Gefahrenabwehrverordnung – ich hoffe sie haben sich vorhin nicht allzu sehr gefährdet gefühlt* – beschneidet ohne Not die Möglichkeiten von Künstlern.
Zum einen sind viele Künstler auf Reisen und machen nur kurz halt in den jeweiligen Städten, was mit einem Verwaltungsakt und einer Beschränkung auf 5 Erlaubnisse pro Tag unnötig erschwert wenn nicht gar verhindert wird. Die Verwaltungsgebühr von 5.- € scheint nicht viel zu sein, aber man sollte sich im Klaren darüber sein, daß es oft gerademal das ist, was ein Strassenmusiker „im Hut“ hat.
Strassenmusik ist Kunst und stellt eine Bereicherung für die Gesellschaft dar. Sie belebt die Innenstädte und trägt dazu bei, daß die lebenswert erscheinen.
Sicher gibt es auch Beispiele die ärgerlich sind, auch ich ärgere mich über einige Erscheinungen – wahrscheinlich sogar über die selben – aber um weiterhin den größtmöglichen Gewinn für die Gesellschaft zu erhalten sollte man diese hinnehmen und vernachlässigen. Zumindest in ordnungspolitischer Hinsicht.
Mehr Reglementierung wirkt sich kontraproduktiv aus, wieso nicht einfach mal mit den Leuten reden anstatt nach mehr Regeln zu verlangen?

In der Begründung wird München als Beispiel genannt, welches mit diesem Modell bereits positive Erfahrungen gemacht hätte. Hier wird suggeriert, daß durch die bloße Einführung einer Gebühr eine „Qualitätssteigerung“ – was immer das auch heissen mag – erreicht werden könne. In Wahrheit lässt die Stadt München aber jeden Strassenmusiker zu einer Art Casting antreten, d.h. sie müssen in der Stadtinformation vorspielen. Das erinnert mich dann doch eher an Einstufungskommissionen.
In München argumentiert man damit, daß man nicht die „gleichen Zustände wie in Berlin oder Köln“ haben wolle. Aber was ist an diesen Zuständen so schlecht? Gelten beide Städte nicht als besonders weltoffen?
Strassenmusik ist mehr als nur das Rezitieren von bekannten Liedchen, Strassenmusik ist oft Kunst und Kunst darf auch herausfordernd und verstörend, ja sogar störend sein. Auch oder gerade im öffentlichen Raum.
Bei allem Verständnis für den Ärger über x-Mal wiederholte Melodien – diese Vorlage schlägt eine falsche Richtung ein, die sich gegen die Kunst wendet. Zu einer Stadt, die gerade einem Künstler einen ihrer Preise verliehen hat, dessen Werke verstörend und herausfordernd sind mag das in meinen Augen nicht so recht passen.
So ist es auch in Darmstadt die Frage was wir wollen – ein steriles Flair nach Münchener Art, oder ein offenes und buntes wie in Berlin oder Köln.
Und wie bisher auch in Darmstadt.

 

*der Auftritt der Musiker war schon 3 Stunden vorher

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