Satire zum darmstadtium (FR 5.12. und DE 14.12.07)

Darmstadtium bringt Opi um Von Frank Schuster (Franfurter Rundschau 5.12.07)

Danke Darmstadtium Von Alexandra Welsch (Darmstädter Echo 14.12.07)

Darmstadtium bringt Opi um

Glosse von Frank Schuster

Opi, warum heißt das Ding Darmstadtium?” “Was?” “Warum heißt das Ding Darmstadtium?” “Ja, weil ˆ… Was steht denn in unserem Ortsschild?” “Ähm, Wis senschaftsstadt.” “Genau. Und Wissenschaftler hängen doch immer so gerne Iums überall dran. Wo sind denn deine Fische drin?” “Im Aquarium.” “Und Kevins Schildkröten?” “Im Terrarium.” “Und was sagt der Darmstädter , wenn er in den Zoo geht?” “Wir gehen ins Vivarium.” “Und was sagt die Oma, wenn sie die Blumen auf der Rosenhöhe sehen will?” “Ich geh‘ aufs Rosarium.” “Genau.”
“Opi?” “Ja?” “Du weißt sooo viel, du bist’n richtiger Wissenschaftler … (Opa wird rot) … du bist ein Opium!” Opa hustet und verschluckt sich. “Opi, was is’n das eigentlich? Auf’m Schulklo steht: Opium bringt Opi um?” Opa lacht, legt dann die Stirn in Falten: “Weißt du, das war so’n Spruch aus unsrer Apo. Opium, das ist ein Rauschgift. Marx hat mal gesagt: Religion ist Opium für das Volk.” Enkel überlegt, sagt: “Ist das Darmstadtium auch Opium für das Volk?” Opa zieht erstaunt die Augenbrauen hoch: “Vielleicht ja, es bringt Opi zumindest noch mal um” (lacht). “Opi?” “Ja?” Enkel strahlt übers ganze Gesicht, sagt: “Darmstadtium bringt Darmstadt um!” Opa strahlt genauso, nimmt flugs die Sprühdose, mit der er gerade “Wer hat uns verraten – Sozialdemokraten!” an den Bauzaun gesprayt hat, und sprüht drüber: “Darmstadtium bringt Darmstadt um!”

Danke Darmstadtium!  

Echo-Eck   von Alexandra Welsch

Darmstadt im Jahr 2020, nach jahrelangem Ringen kann der Kämmerer endlich vermelden: Der Haushalt ist ausgeglichen. Er betont, dass dies nicht möglich geworden wäre, “wenn man sich nicht einst durchgesetzt und das Darmstadtium gegen alle Kritik gebaut hätte”.
Kurz nach Einweihung des neuen Hauses im Jahre 2007 zog die Stadtverordnetenversammlung dort ein und leistete dank der fünfzigfachen Mietkosten wie zuvor im Justus-Liebig-Haus eine wichtige Anschubfinanzierung des neuen Hauses, das fortan zum Spar-Motor der Stadt wurde.

Geschlossen werden konnten im Zuge der Darmstadtiumseröffnung etwa alle Schwimmbäder, denn die regengeflutete Calla bietet genügend Platz für Kinder- und Seniorenschwimmgruppen. Sportschwimmer können derweil am Cityring ihre Bahnen ziehen in der Betonrinne, die einst für den Darmbach geschaffen wurde.

Einsparen konnte die Stadt auch sämtliche Ausgaben für die Kulturszene, die nun endgültig nicht mehr nötig war. Geistreiche Zerstreuung finden die Massen nämlich statt dessen im Darmstadtium bei kulturell hochwertigen Veranstaltungen wie “Ballermann 6 on Ice” oder “Lord of the Eierbecher”. Parallel dazu entstanden dort – wie versprochen – Hunderte neue Arbeitsplätze in den Bereichen Ticket-Abreißing und Stuhl-Account-Management.

Weitere Ausgaben reduzieren konnte die Stadt schließlich mit der Abkehr vom teuren Schulbausanierungsprogramm: Alle Schüler Darmstadts werden in den Räumen unterrichtet, die einst für das Cybernarium vorgesehen waren. Damit ist Darmstadt zudem pädagogisches Flaggschiff beim längeren gemeinsamen Lernen.

Und endlich schuldenfrei. Danke Darmstadtium!

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