GeDANKEn nach der Wahl

Die Oberbürgermeister Wahl ist vorbei und jetzt geht es endlich wieder um politisches arbeiten und nicht mehr ums schaulaufen ;-)

Ich freue mich über mein Ergebnis, auch wenn ich mir eine Stichwahl gewünscht hätte. Ich danke von ganzem Herzen: für Eure Stimme, das Vertrauen in mich, für die unterstützenden Worte, das Kleistern, das Plakatieren, die inhaltlichen Diskussionen, die Fotos, die Rückmeldungen, die Kritik, für die Plakate, fürs Warten aufs Wahlergebnis, fürs Feiern, die faire Berichterstattung, die guten Podiumsdiskussionen, den spannenden Wahlkampf und so vieles mehr. Ich habe in den vergangenen Wochen so viele schöne Erlebnisse gehabt, so viel Anerkennung und Zuwendung, dass es eine tolle Bestätigung unserer Politik und meiner Person ist. Als Kandidatin einer unabhängigen Wählervereinigung ein solches Ergebnis einzuholen ist toll und in Darmstadt noch nie da gewesen und ich kann auf jeden Fall für mich in Anspruch nehmen, wichtige Themen voran gebracht zu haben und den Wahlkampf deutlich spannender gemacht zu haben. ;-)

Traurig bin ich über die Wahlbeteiligung insgesamt. Es ist

uns nicht gelungen, die Menschen zum Wählen zu bewegen. Ich habe dafür keine Erklärung und auch kein Verständnis. Die Wahlbeteiligung, die das letzte Mal noch bei 49,3 Prozent lag, ist auf 43,9 Prozent gesunken. Die traurige Wahrheit ist, dass 56 Prozent der Wahlberechtigten sich aus der repräsentativen Demokratie ausgeklinkt haben. Was bewegt Euch? Wie wollt ihr leben? Seid ihr demotiviert? Seht ihr trotz der Vielfältigkeit der Kandidaten keine Chance etwas zu verändern? Ist Euch alles egal oder seid ihr so glücklich, dass es sich nicht lohnt, die 20 Schritte ins nächste Wahllokal auf Euch zu nehmen? Die Demokratie in Deutschland führt sich selbst ins Abseits. Wie aussagekräftig ist eine Wahl mit einer Wahlbeteiligung von knapp 44 Prozent über das, was die Bürger und Bürgerinnen sich wünschen?

Hier sind wir, mit einer großartigen Verfassung, mit allen Möglichkeiten der Beteiligung, von denen die niedrigschwelligste die Wahlen sind; der Freiheit, seine Meinung in Wort und Schrift zum Ausdruck zu bringen; Kritik an der herrschenden Politik zu äußern, ohne Bestrafung, Benachteiligung, Folter oder Tod befürchten zu müssen – und erreichen mit diesem System den überwiegenden Teil der Wahlberechtigten nicht mehr. Das macht mir Angst.

Jochen Partsch wünsche ich für seine zweite Amtszeit alles Gute. Wir haben einen fairen, geraden Wahlkampf gegeneinander geführt, der die Basis unserer weiteren konstruktiv kritischen Zusammenarbeit in den nächsten sechs Jahren bilden wird. Ich wünsche mir, dass die Schlagzeile, die er sich vom Darmstädter Echo nach 100 Wahltagen zweiter Amtszeit gewünscht hat: „Fehler gemacht und dazu gelernt“ nicht nur Wahlkampftaktik war. 25.290 Stimmen von über 115.000 Wahlberechtigten, wenn man für CDU und Grüne angetreten ist, sind ein Sieg, allerdings einer, der einen nachdenklich machen muss.

Lieber Jochen, ich wünsche Dir, dass es Dir gelingt, Dich ein stückweit wieder aus Deinem Machtvakuum zu befreien. Die guten Leute in Deiner Umgebung sind nicht die, die Dich vorbehaltlos anbeten und diesen manchmal sehr verstörenden Jochen-Kult praktizieren. Die guten Leute sind die, die sich die Zeit nehmen und Dir Ihre Kritik, Anregungen, Inspirationen schenken. Ich wünsche Dir den Mut und die Kraft, genau diese zu hören und in Deine Nähe zu holen, dann wirst Du sicherlich in Deiner zweiten Amtszeit wieder der Oberbürgermeister aller Darmstädterinnen und Darmstädter werden.

Noch mal herzlichen Dank Euch allen!

 

5 Kommentare

  1. …bin keine Darmstädterin aber war total angetan von Deinen weisen Worten und hätte Dich gern gewählt, wenn ich in Darmstadt zuhause wär!
    Danke für Deinen Mut und Deine offene, ehrliche Art!

  2. Hi Kerstin,
    sehr schöne Worte. Den Jochen-Kult finde ich auch verstörend, es gibt kein besseres Wort dafür. Es gibt Grüne, die einen bei Facebook blocken, weil man ihre grenzenlose Begeisterung für die grüne Hegemonie nicht teilt. Die Grünen sind, jedenfalls in Darmstadt, in Baden-Württemberg und in ihrer gesamten Parteispitze so dermaßen im Mainstream angekommen wie vielleicht noch die CSU in Bayern. Gut für die Demokratie und die Gerechtigkeit unseres Wirtschaftssystems ist das nicht, und ganz sicher auch nicht im Interesse der grünen Gründungsmütter und -väter, derer sich die grünen Realos so machtbewusst und unelegant erledigt haben.
    Warum darüber hinaus nur so wenige Menschen wählen gehen? Politik ist korrupt, unehrlich, undurchschaubar und unästhetisch. Guck sie Dir doch an, die ganzen Pfeifen. Da machen die Leute keinen Unterschied zwischen Kommunal-, Bundes- oder Weltpolitik. „Wenn Wahlen etwas verändern würden, wären sie verboten.“ Und wenn bürgerschaftliches Engagement nicht nur Einfluss auf die nächste Bordsteinabsenkung hätte oder am Selbstverwirklichungsideal der bürgerlichen Mittelschicht endete, wären viele Menschen sicherlich bereit, sich einzubringen und vielleicht sogar wählen zu gehen.
    Du und alle Uffbasser müsst weiterhin bzw. verstärkt auf die „einfachen“ Leute zugehen – die allein erziehenden Mütter, die Fabrikarbeiter, die Wohnungslosen, die Arbeitslosen, die Künstlerinnen und Künstler, die Ehrenamtlichen, die Geflüchteten und die perspektivlosen Jugendlichen. Ohne Anbiederei, sondern mit Authentizität, deutlichen Worten und klarer Kante. Das ist Euer Kerngeschäft bzw. sollte es sein.
    Ich wünsche Dir viel Kraft, Energie, Spaß, Liebe und Empathie bei allem, was Du machst, liebe Kerstin. Bass gut uff!

  3. Glückwunsch erstmal, starkes Ergebnis!

    Und zur Wahlbeteiligung:

    »Die Wahlbeteiligung, die das letzte Mal noch bei 49,3 Prozent lag, ist auf 43,9 Prozent gesunken.« Betrachtet man den ersten Wahlgang ja, aber der fiel 2011 ja noch zusammen mit der Kommunalwahl. Die im ersten Wahlgang entschiedene Direktwahl 2017 fände ich fairer mit der Stichwahl 2011 zu vergleichen. Damals gingen 36,2% noch zur zur Entscheidung zwischen einstigem und neuem Amtsinhaber. Im Vergleich hätte sich die Wahlbeteiligung also noch erhöht. 43,9% sind aber dennoch übel.

    Glaube, so selbstbewusst wie die Grünen auftreten, kann man davon ausgehen, das die von ihrem konservativem Koalitionspartner etwas gelernt haben, das Merkel gern als »asynchrone Demobilisierung« bezeichnet hat. Den politischen Gegner so alt aussehen lassen, das dessen potentielle Wähler von allein zu Hause bleiben, egal wie er für sie tanzt. Oder anders ausgedrückt: Indem die CDU einem eigenen Kandidaten die Absage erteilt haben und die SPD einen sogar in den eigenen Reihen nicht unumstrittenen Kandidaten in den Ring geschickt hat, hatten beide so genannten Volksparteien de facto einen Verzicht erklärt. In sechs Jahren sieht das vielleicht schon ganz anders aus. In Stein gemeißelt ist das aber noch lang nicht.

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