MUSS!!! der westwald plattgemacht werden????

Guude zamme, hier ne klasse dar- und richtigstellung vom wieland:
Kurzfristig zur Stadtverordnetenversammlung am 31.Mai stellten die Fraktionen B90/Grüne und CDU einen Dringlichkeitsantrag:
Dringlichkeitsantrag SV-2012/0032 Bü 90/Grüne und CDU

Er bestand aus zwei Absätzen – im ersten wird der Magistrat „gebeten“ die nötigen Maßnahmen zu ergreifen, um den Westwald als Bannwald ausweisen zu lassen. Die (seit grauer Vorzeit) dort freigehaltene Trasse für die geplante „Westumgehung“ ist aufzuheben.

Die im ersten Absatz geforderten Maßnahmen sind aus Sicht von Uffbasse für den Wald extrem wichtig, dem Auszug aus der Begründung des Dringlichkeitsantrags ist nichts hinzufügen: „Weitere Rodungen, die ja auch immer Auswirkungen über den eigentlichen Rodungsbereich hinaus haben, könnten zu einem kurzfristigen Kollaps weiterer, bereits vorgeschädigter Waldflächen führen.“

Aber halt – uffgebasst – ein Blick in den Flächennutzungsplan http://www.darmstadt.de/fileadmin/PDF-Rubriken/Rathaus/Aemter_und_einrichtungen/61-Stadtplanungsamt/Flaechennutzungsplan/FNP_2006_reduziert.pdf

zeigt, dass es sich bei dem im Antrag bezeichneten Wald nur um einen kleinen Bruchteil des Westwaldes handelt (und zwar nördlich des Dornheimer Weges). Noch mal etwas genauer in den Flächennutzungsplan gesteckt und es ist zu erkennen, dass viel größere Gebiete bereits als Bannwald geplant sind (seit 2006 beim Regierungspräsidenten beantragt, im FNP gekennzeichnet durch „BW“ in gestrichelten Kreisen). Dieser Wald hat die gleiche Schutzfunktion (z.B. Ausfilterung von Ackerstaub aus dem Ried) und er ist gleichermaßen vom Kollaps bedroht, wie das nördliche Waldstück.

Warum der Wald nicht in den Antrag aufgenommen wurde, klärt sich im zweiten Absatz. Dieser handelt von etwas völlig Anderem, nämlich vom Bau einer Straße durch den Westwald – die so genannte „Westranderschließung“ (ebenfalls ein Relikt aus grauer Vorzeit). Jetzt wird auch klar, was an dem Antrag so dringlich war, hier wird ganz dringlich etwas untergeschoben: „Der Bau dieser Straße hat so umweltverträglich wie möglich zu erfolgen.“ Hallo …. wie war das mit dem Kollaps in der Antragsbegründung??? – ganz nebenbei „so umweltverträglich wie möglich“ – das hat für alle Projekte zu gelten hat, die legal umgesetzt werden sollen. Aber hier wird so getan, als wäre der Straßenbau bereits beschlossene Sache und ganz selbstverständlich – Schutzfunktion des Westwaldes? – sei’s drum.

Und, wohl um das grüne Gewissen zu beruhigen, wird auch noch behauptet, die Straße durch den Wald sei „ auch Bestandteil städtebaulicher Vereinbarungen mit dem Projektentwickler der Telekom City“. Schauen wir einmal in diese Vereinbarungen, den Vertrag zwischen der Stadt und Sireo. dort steht (S. 12, 4. Westanbindung): die Westanbindung ist eine verkehrstechnische Maßnahme für das Gesamtgebiet. Die Stadt übernimmt die Planung und Durchführung der Westanbindung.“ (Es folgen lediglich Regelungen zum Zeitplan.) Wohlgemerkt „Westanbindung“ des Gesamtgebiets der Sireo/Telekom, nicht die Westranderschließung, am Gebiet vorbei geplant. Eine Westanbindung ist jedoch längst gebaut, nämlich von der Eifelringbrücke direkt ins Gebiet. Es lässt sich vielleicht darüber streiten, ob diese umgestaltet, durch einen Fußweg ergänzt oder in der Verkehrsführung angepasst werden sollte – aber die geplante Westranderschließung ist für das Telekomgebiet unsinig, für den Westwald fatal.

Als weiterer Grund für den Bau wird die Erschließung „des Gewerbegebiets Hilpertstraße und der südlich davon gelegenen Konversionsflächen“ genannt. Zuerst eine Straße planen und danach die Beplanung der Gebiete, die erschlossen werden sollen? Das ist allerdings ein sehr spezielles Vorgehen – üblicherweise wird es umgekehrt gemacht.

5 Kommentare

  1. ‚Global denken und lokal handeln‘ lautet die Devise der Ökologisten. Einer der großen deutschen Ökostromversorger und ‚Klimaschützer‘ die Darmstädter Entega beteiligt sich angeblich an einer sog. internationalen Waldschutz-Kampagne Code REDD – als Beitrag des Unternehmens zur Umweltschutzkonferenz der UN in Rio de Janeiro. Siehe die Webseite http://goo.gl/v4BYv

    Wie wäre es, wenn die Verantwortlichen dieses Energieversorgers in Politik (Oberbürgermeister etc.) und Geschäftsführung lieber die Millionen für den Klimaschutz zu Hause in den darbenden Darmstädter Westwald stecken würden – statt in einen von niemandem kontrollierbaren, angeblichen Schutz von „bedrohten Wäldern auf der ganzen Welt“.

  2. Hallo Alina,
    bei der „Westwaldallianz“ (ein Bündnis von Initiativen und BI’s) sind wir an dem Thema dran, die Entega für die Westwaldsanierung zu gewinnen.

  3. Sehr schöner Artikel, der den Sachverhalt gut erklärt. Danke Uffbasse, muss wohl meine Wahlpräferenzen mal ernsthaft überdenken.

  4. GUT UFFGEBASST!!! DANKE!!!
    „Nein er muß nicht plattgemacht werden!“ „Bürger Darmstadts wacht auf!“ Steht erneut für jeden Baum!
    Es gab schon viele Unsinnsprojekte in Darmstadt.
    Der Westwald sollte fallen für:
    Gefängnisneubau, wurde verhindert durch Bürger der Waldkolonie!
    Vip-Bau EUMETSAT wurde verhindert durch BI-Waldkolonie!
    B3-Anbindung wurde 3x verhindert durch kluge Köpfe in der Waldkolonie!
    Tontaubenschießen mit Bleikontamination im Wald der Siedlung Tann mußte eingestellt werden : Protestarbeit BI-Waldkolonie!
    Westwaldverseuchung durch Darmstadts Fäkalienabwasser wurde abgestellt: Protestaktionen BI-Waldkolonie!
    Verhinderung der Besprühung von Waldflächen nahe Wohngebieten mit den Giften DECIS und RUBITOX, Bi-Waldkolonie.
    Vermarktung der letzten Freifläche im Westen Darmstadts für High-Tech-Supergewerbe, Golfplatz, Golfhotel wurde verhindert durch Bürgergemeinschaft gegen Gewerbezone Gehaborn und BI-Waldkolonie!
    Mit lösungsorientierten Güßen aus dem Soonwald, Ursula Muhn, Waldfriede.

  5. Herr Schwaibold trifft den Nagel absolut auf den Kopf was die Wahlpräferenzen betrifft. Wenn ich das nächste Mal mein Kreuzchen abgebe werde ich daran denken, wie gut der Westwald zu Menschen, Pflanzen und Vögeln ist.

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